Ostseecup mit dem "Schnabelschuh"

Ostseecup auf dem Schnabelschuh Teil 1:  Sommer ist befohlen !
In den letzten 2 Wochen sind wir in den Süden gereist, um Segelbootwettrennen zu fahren…schließlich haben wir Sommer, also Zeit, langsam hektisch zu werden.  
Der Plan: Gemütlich bei 3 Windstärken mit Vollmond ohne Welle in der Neustädter Bucht kuschelig durch die Nacht fahren, einen guten Tee in der Hand und dabei ein bisschen der Musik von den ganzen Strandpartys in der Neustädter Bucht lauschen…
Es fing auch alles gut an und ich konnte die restlichen Arbeiten, um das Boot nach etwas längerer Winterpause klarzumachen, (fast) alle auf der Hinreise erledigen. Florian und ich hatten sogar noch etwas Zeit um an unserem gemeinsamen Traum, der Beherrschung des Sportgerätes zu arbeiten …. glücklicherweise ist dabei außer kontrollierbaren körperlichen Blessuren nichts Wesentliches kaputtgegangen und so konnte es in Neustadt losgehen.
Anfangs herrliches Segeln entwickelte sich zwischenzeitlich dann allerdings als wirklich feuchte und windige Veranstaltung und spätestens nach dem Reffen beim anschließenden Vorsegelwechsel auf die kleine Fock war der Begriff „kuschelig“ in weite Ferne gerückt. Selbst Florian als alter Neustädter Marineseebär machte ein ernstes Gesicht und war nicht wirklich amüsiert, als er vom Vorschiff mit dicken Fingern zurückkam. Fluchend hat er mich dann erst mal aufgeklärt, dass Stagreiter und Drahtvorstag beim Segelwechsel Mist sind und ein Profilvorstag das einzige ist, was einen Vorschiffer glücklich macht. Und überhaupt ich könne mich glücklich schätzen, dass er seine Angelkopf-taschenlampe dabei hatte usw. usw. Recht hatte er ja, aber das hab ich selbstverständlich nicht zugegeben ...  Irgendwie kalt war es auch und die restliche Nacht im mistnassen Boot war auch nicht gerade das, was wirklich begeistert.
Trotzdem war es in Neustadt absolut anspruchsvolles Segeln und hat (mit etwas Abstand betrachtet) Flori, Christoffer und mir doch wieder Spaß gemacht. Das Highlight – unter Spinnaker und bei Nacht Richtung Ziel in den Stadthafen reinzufahren war auch wieder dabei. Auch wie jedes Mal war ich bei der Aktion davon überzeugt, ich werde zu alt für sowas … Neu war nur mein Sohn: „Ich glaub Du hast Recht Papa …“ … und dass wir bei gefühlt 0-Sicht beinahe eine von den Fahrwassertonnen übergemangelt hätten. Beschluss: Zu Weihnachten schenk ich mir einen richtig männlichen Scheinwerfer ……
Na ja, nach Bootstrocknung hatten wir nun unserer Ansicht nach am nächsten Wochenende in Grömitz ein Anrecht auf das absolute Topwetter und es fing auch alles top an … Super-Start zusammen mit der Mädelscrew, mit Genoa 1 und Reff im Groß tolle Kreuz gehabt, unter Spi ausgerefft, mit allem zipp und zapp mal wieder so richtig das Messer zwischen den Zähnen gehabt. Es gab kurzfristig sogar richtig neue Ansätze auf kommunikativer Ebene an Bord. „Würdest Du bitte und so…“ Auf dem Rückweg nach Grömitz kam dann aber wieder die berühmte schwarze Mistwand … wieder Spi weg, wieder reffen, wieder Segel wechseln und dicke Finger, wieder dauernd Wasser aus den Augen wischen …..
Der zweite Tag Grömitz war dann was besonderes: Kein Regen während der Wettfahrt, aber dafür umso mehr Regen von unten auf einem echt ekeligen Halbwindkurs ohne Spi bei richtig Wind von der Seite. Genau das, was einen Steuermann auf einem Speckhaken zur Weißglut treiben kann. Aber wir haben Haltung bewahrt und sind noch recht elegant ins Ziel gebleiert. 
Da die Ölhosen sowieso schon durch waren, sind wir dann gleich Richtung Norden abgebogen und es ging in fixer Fahrt nach Hause. Kurz hinter der Brücke hat das Wetter dann endlich ein Einsehen gehabt. Natürlich nicht ohne uns vorher noch ein paar feine Böen reinzudrücken ließ der Wind dann nach und in einem stetigen lauwarmen Bindfaden-Nieselregen und bei 14 Grad Lufttemperatur sind wir dann wieder in Heiligenhafen gelandet…. 
Alles egal: Sommer ist befohlen, also weitermachen. Herzliche Grüße, Björn