kreuz und quer um die dänischen Inseln - das Vegvesir Race

Vegvesir Race 2018 Guldborgsund:
„Join Vegvisir Archipelago Race and you're in for a mind blowing experience. Sailing will meet extreme sports and adventure racing on both the two double handed and the singlehanded course when the participants face the most complicated navigation in any Danish regatta. All courses are flexible meaning that in case of very light wind they will be shortened – two nights and two days are enough for the participants find their limits and hook up with the inner Vegvisir“
Soviel die Ankündigung des Veranstalters; Hinter dem Begriff Vegvisir verbirgt sich die Isländische Übersetzung für „Wegweiser“. Das Symbol ist auch als Wikingerkompass bekannt. Wir, Andreas Coachi Rohde und Stefan Volumi Knabe folgten dem Ruf der Nykøbing Falster - Guldborgsund Kommune und starteten am Abend des 23.08.18 um 17.30 Uhr direkt vor dem Segelklub in Nykøbing in der Klasse Kielboot Large bis ca. 40 Fuß mit der JPK 38 Ratz Fatz. Unser Kurs führte uns in einem Feld von 14 Startern bei zunächst sehr moderaten Winden zwischen 6-10 Knoten kreuzender Weise bis zur Guldburgsundbrücke. Der Autoverkehr wurde wegen der Regatta kurzerhand umgeleitet und so konnten die Schiffe aller Klassen (114 Teilnehmer) in die Inselwelt (Archipelago) des Ausganges des Smalandfahrwasser‘s entlassen werden. Es galt zunächst einen ca. 70 Meilen langen Parcours zwischen Femö/Vejö/Vejrö/Omö und Agersö bei langsam zunehmenden Wind zu absolvieren. In Schleifen und Achten wurden einige der Inseln auch mehrfach passiert. Dabei schien der Mond in der ersten Nachthälfte hell du die Nacht war mild. Es waren jedoch lediglich Inseln zu runden und keine Tonnen, was jeweils einer Abwägung zwischen einer soliden seemannschaftlichen - und einer sportlich motivierten Entscheidung bedurfte. Einerseits wollten keine Meilen verschenkt werden, anderseits bedeutete das Aufsitzen auf einem Flach schlechtesten Fall bereits das Ende der 210 Seemeilen langen Regatta. Kalle Dehler der mit seiner Sporthotel unter Code Zero bereits ca. 3 Seemeilen Vorsprung vor uns hatte, bekam das gegen Mittenacht zu spüren, als das Verfolgerfeld im Norden von Fejö „abkürzte“ und ihn hinter sich ließ. Wir hatten von diesem Moment an die Führung in unserer Klasse übernommen und folgten den beiden größeren X-Jachten aus der Gruppe XL die mit uns gemeinsam gestartet waren. Es handelte sich um eine X4 und eine X43. Auf dem AIS konnten wir zumindest feststellen über welche Untiefen die X4 sich traute und so konnten wir diesen „Wegweiser„ hilfreich nutzen. Zwischen dutzenden von unbeleuchteten Tonnen, sehr vielen flachen Stellen und den dort vorhandenen Fischfarmen mit Stellnetzen und Stahltrossen half streckenweise nur noch der unbedingte Glaube an die Genauigkeit der elektronischen) Seekarte. Und den Zoom vom Plotter immer ganz weit aufdrehen…da war doch was im Pazifik….
Das „Archipelago“  - also die Inselwelt, verließen wir gegen 05.30 Uhr am frühen Morgen nach ca. 80 gesegelten Meilen seit dem Start in Nykøbing. Es ging nun von der Südspitze der Insel Omö zur Nordspitze Langelands. Der Wind hatte zwischenzeitlich mal deutlich zugelegt und es schüttete zeitweilig heftig. Die beiden X - Kontrahenten vor uns blieben auf Schlagdistanz bis ca. 2 Seemeilen Abstand. Hinter uns konnten wir im Morgengrauen nur noch erahnen wer unsere direkten Verfolger waren. Soweit eine ganz komfortable Situation, aber unsere Aufmerksamkeit galt den beiden vor uns segelnden X-en aus der großen Gruppe…es waren ja noch ungefähr 120 Meilen zu segeln, und es war klar, dass noch eine Menge passieren konnte. Von Lohals bis ca. 10 Meilen südlich von Aerö sollte es nun bei Südwestwind auf eine lange Kreuz bzw. auf lange am Wind Kurse gehen. Wir passierten Rudköbing, kreuzten durch das schmale Fahrwasser und hielten uns von der Insel Strynö im Westen sauber frei. Wir hatten gehört, es sollen hier unbeleuchtete, nicht sichtbare - harte große Steine im Wasser liegen….Nachdem wir gut geschrickt durch das Marstal Fahrwasser kamen, mussten wir nochmals für eine 10 Meilen Kreuz auf See raus, Kurs 190°. Auf dieser Kreuz von Marstal bis zur Tonne im Süden Aerö’s konnten wir dann auch die X4 niederkämpfen, die kam mit dem einsetzenden heftigem Wind und Wellengang nicht so gut klar. Nach ca. 35 Meilen am Wind- und Kreuzkursen von der Nordspitze Langelands aus, erreichten wir Mittags endlich eine der wenigen Bahnmarken und konnten dann bei ca. 16 Knoten Wind auf einen zunächst gemächlichen Reachkurs Richtung Rödby abfallen. Es frischte aber im Laufe der kommenden Stunde auf und wehte nun zeitweilig mit 24 bis 28 Knoten. Für mich war das unter Gennaker eine Herausforderung, zumal der Chef unter Deck seine Freiwache genoss. Wir haben beide während des Rennens je nur eine halbe Stunde geschlafen. Die Sache wurde nun aber mit zunehmender Welle immer heikler und wir waren deutlich erleichtert den Gennaker vor Rödby sicher in die Kajüte zu bekommen. Was soll ich sagen, die X43 ungefähr eine Meile vor uns…Bei der sich anschließenden Kreuz um die Westspitze von Lolland herum konnte die X mit geborgenem Großsegel und bei ungefähr 26 Knoten Wind den Abstand sogar noch etwas ausbauen. Das nächste Schiff hinter uns hatte bereits 15 Meilen Rückstand. Wir beschränkten uns von nun an damit uns und das Schiff möglichst sicher (und schnell) wieder Richtung Guldborgsund zu bringen. Es galt ja nochmal ein paar Fischfarmen und unbeleuchtete Tonnen sowie einige Flachs zu passieren. Es sind immerhin von der Westspitze Lolland bis Nyköbing nochmals 40 Meilen was man leicht unterschätzt wenn man Lollands erst einmal quer ab hat. Den Gennaker ließen wir in der zweiten Nacht im Sack. Die Brücke Guldborgsund hatte wieder durchgehend geöffnet. Als krönenden Abschluss durften wir dann wieder über weite Passagen in den Guldborgsund einkreuzen und hätten das Sportgerät einmal fast vierkant in den Sand gefahren. Am Rand des Fahrwassers, bei einer der unzähligen unbeleuchteten Tonnen hatten wir beide auf einmal gleichzeitig einen Aussetzer und es erschien uns auf einmal vollkommen unklar, ob hinter einer passierten Tonne abgefallen oder gewendet werden musste. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit und des Schlafmangels war solche Situation irgendwie zu erwarten… Wir lösten das Rätsel nach dem System „try an error“. ….Abfallen war dann aber nicht die richtige Entscheidung, der Folgeschaden begrenzte sich allerdings auf einen kleinen Schlenker mit Spontanwende.
Dann endlich um 2 Uhr Nachts kamen wir nach ca. 32 gesegelten Stunden im Ziel an. Die X43 überquerte die Ziellinie ca. ¼ Stunde vor uns. Die beiden Dänen kamen nach dem Rennen direkt zu uns an Schiff, um erst einmal zu sehen, wer ihnen die ganze Zeit so hartnäckig im Nacken saß. Hinter uns klaffte eine Lüke von ca. 15 Seemeilen bis zum Zweiten unserer Gruppe. Nach einigen Bieren und zwei „Dark and Stormy“ aus der Bordapotheke schliefen wir beide glücklich und dummes Zeug redend im Salon ein….wie herrlich war das denn??
Neben der 210 Meilen doublehand challenge konnte auch eine 175 Meilen Variante gewählt werden. Außerdem war es freie Entscheidung jeder Crew im – oder entgegen dem Uhrzeigersinn den Parcours abzusegeln. Auch eine 80 Meilen singlehand Variante steht auf dem Plan. Eine sehr gut organisierte Regatta in sehr netter Atmosphäre des ansässigen Segelclubs. Es gibt hinsichtlich der Kurse und der Startzeiten Verbesserungsmöglichkeiten,  aber im Großen und Ganzen sehr lohnend, sehr abenteuerlich, sehr anspruchsvoll und schwieriger zu segeln als die Silverrudder oder zum beispiel 5 Fehmarn Rund am Stück. Bleibt abzuwarten ob eine ähnliche Entwicklung wie beim Silverrudder stattfindet, das Potenzial dafür ist vorhanden!! Die Meldungen für 2019 können bereits abgegeben werden. Also Sportsfreunde - Ring frei, die „Südsee“ wartet auf Euch...

Stefan Volumi Knabe