bilinguale Mittwochsregatta

"Five more down!", ruft mir Michael zu. Ich falle ab und halte die Pinne wieder gerade als er seine Faust hebt. Mit gefühlten zwanzig Zentimeter Abstand passieren wir die grüne Ansteuerung auf dem Weg zur Ost. Mittwochsregatta einmal bilingual. Michael kommt aus Boston. Aus gemeinsamen Regatten auf größeren Yachten ist eine enge Freundschaft entstanden. So entstand auch die Idee zum Mittwochssegeln zwischen Sardinien und Palma.  "Prepare chute for hoist, pole up", so die weiteren Anmerkungen. Björn, an der Großschot neben mir erklärt alles noch einmal auf deutsch. Ich konzentriere mich aufs Steuern und versuche die Hektik an Bord auszublenden. An der Ost ziehen wir den Spi, ein klein wenig fahren wir an Olaf, der 48 Sekunden (ein Punkt) vor uns starten durfte, heran. Aber wirklich nur ein klein wenig. "Furl in genoa." - na, Genua einrollen halt. Dann wir es ruhiger an Bord. Falk trimmt den Spi. Es sind nur ein paar hundert Meter, daher beginnt bereits die Vorbereitung auf das Bergen des Spis. "Unfurl genoa, chute down in 3-2-1-go" - wieder diese Regattahektik an Bord, dieses faszinierende Zusammenspiel, das, wenn alles klappt, mit einer perfekten Tonnenrundung endet. Unsere Tonnenrundung endet etwas zu tief und ich muss Anfangs Höhe knüppeln damit wir auf dem Anlieger uns hinter Olaf halten können. Auf der Kante sitzend, der einzige der richtig hängt ist Michael, erklärt Daggi seiner Frau Jackie, was hier abgeht. Da der Strom aus Ost steht wollen wir an der roten Tonne möglichst schnell wenden. Das klapp auch. Natürlich kontrolliert uns die Classixs Crew. KnabHorn fährt ganz nach Fehmarn rüber, sieht zwischendurch gut aus, bleibt aber am Ende im Strom hängen. Wir kommen gut an der grünen vor der Brücke an, halten uns so die Elfe vom Leib. Jan war unter uns gewendet, kommt früher wieder in den Strom.
Es folgt wieder biligualer Kauderwelsch. Kommandos in Englisch mit folgender Erklärung auf Deutsch. Unter Spi geht es zurück an der nächsten Tonne dann die Entscheidung Spi bergen oder, wie Granat, unter Spi weitersegeln. Wir "unfurlen" die Genua und nehmen den Spi runter. Während die Classix die vor uns liegenden Boote Luvwärts überholen will und alle dementsprechend hochfahren, versuchen wir es in Lee. Nach einem letzten "hoist" des Spis kommen wir als 10te über die Ziellinie, eine Sekunde hinter der Lulu mit Nils Baßmann am Lenker  und keine Minute hinter der sechstplazierten Classix, unserem Schwesterschiff. Michael ist fasziniert vom seglerischen Niveau und von den knappen Zieleinläufen. Jackie, seine Frau ist eher froh, alles unversehrt überstanden zu haben. Immerhin wollen wir morgen gemeinsam nach Palma de Mallorca. Binnen 4 Minuten sind die Meisten der 23 Teilnehmer im Ziel. Gewonnen hat diesmal Jörgi mit seiner Rubin, zu Zweit ohne Spi mit fünf Punkten extra. Am Grill wird dann noch gefachsimpelt, Bier und Fassbrause getrunken. Um Mitternacht geht es dann wieder nach Hamburg zurück. Fazit: ein super Abend, tolles Segeln und Michael wird bestimmt noch einmal mitkommen.