
Warderregatta 2011
Samstag der 14. Mai 2011
Die Welt ist grau in grau und der Wind weht schon morgens heftig bis kräftig aus West. Tiefe dunkle Regenwolken schweben unter dem Himmel und lassen alles eklig, nass und kalt werden. Was für ein „toller“ Tag für eine Wettfahrt denke ich schon morgens auf dem Weg in die Loft nach Großenbrode.
Bis Mittag hat sich nichts geändert – eher der Wind hat noch etwas zugelegt und die Schauer etwas an Intensität zugenommen. Aber was soll’s, gemeldet ist gemeldet, und die Crew mit 7 Mann hoch steht in Ölzeug unter dem Vordach des Clubhauses und denkt wahrscheinlich: „wäre ich doch im Bett geblieben“.
12.50 Uhr Treffen an Bord wie auch noch sieben andere wagemutige Crews aus dem Club. Zwischen 13.30 und 14.00 Uhr gibt es ein Startfenster. D.h. Ein jeder hat (entzerrt) einen Nullstart. Wir begeben uns gleich zur ersten Möglichkeit unter Genua III und vollem Groß an die Startlinie und lassen nur der großen Shoddy den Vorrang und laufen bis zum Schabernak unter Fullspeed auf der Heckwelle der großen X. Dann geht’s heftig an die Kreuz. Schoten dicht und so hoch wie es geht in Richtung Stöben vor dem Hauptbadestrand. Unsere Kiste läuft prima hoch und schnell, sodass wir die Shoddy halten können. Die anderen etwas kleineren Yachten verlieren wir aus den Augen. Aber für die muss es noch scheußlicher gewesen sein. Steile, hackige Welle aus West und den Wind mit gut 6-7 Bft. voll ins Gesicht bei ca. 6 Grad Wasser und 8 Grad Luft.
„Schönere“ Bedingungen gibt es kaum! Aber, wie gesagt, die Elfe of New York schlug sich tapfer und die Jungs auf der Kante haben voll mitgezogen. Nach einem kurzen Holer zum Warmwerden erreichten wir kurz hinter der Shoddy den Stöben und wiederum ging es nun mit einem Schrick in der Schot mit Brassfahrt auf die Tonne 4 vor dem Ferienzentrum zu.
Hier hieß es nun abfallen, halsen und den Spi hoch und Kurs retour zum Schabernack . Mit dem Spibaum an Steuerbord und einer ordentlichen Portion Angstschweiß im Ölzeug rauschten die beiden Yachten weit vor dem Feld auf den Strand bei „Luise“ zu und bauten, da kein anderer mehr die „Tüte“ zog, den Vorsprung gehörig aus. Unten angekommen war wieder eine Halse nötig, bei der dann die Shoddy sich den Lümmelbeschlag abriss und ab dann nur noch verhalten weiter segeln konnte. Auf der Elfe of NY klappte alles ganz hervorragend und durch dieses Mannöver gelangten wir in die Führungsposition und gaben diese dann auch nicht mehr ab.
Am Schabernack war wieder eine Halse und dann eine weitere Kreuz angesagt, die wieder bis zum Stöben ging. Neuerliches Abfallen und nun wieder mit Spi ab zur Mittelsundtonne. Speed bis 14 Kn waren im Surf keine Seltenheit. Es war aus der Sicht des Steuermanns manchmal nicht ganz einfach die Kiste auf Kurs zu halten, aber ich sage euch: Da wird es einem dann doch schon warm, selbst bei den vorherrschenden Temperaturen!
Vor der Mittelsundtonne: Genua hoch und den Spi weg und mit Affenzahn um die Kurve in Richtung Heimat. Der Reachgang runter zum Ziel war mal wieder die harte Arbeit für den Großschotmann: holen und fieren, holen und fieren usw. und das bis ins Ziel. Der wusste auch abends was er gemacht hat.
Gegen 16.00 Uhr erreichten wir dann als First Ship Home die Linie und freuten uns nicht nur über die schnellste gesegelte, sondern auch über die schnellste berechnete Zeit. Außerdem holten wir durch den Sieg auch noch zwei erste Plätze für die Mittwochswertung.
Auf jeden Fall hat es hinterrücks sehr viel Spaß gemacht – man muss eben nur losfahren. Dann klappt das auch.
Jan Heinritz
Skipper und Steuermann der SY ELFE OF NEW YORK
