
Herbstregatta
oder zwei Führungskräfte, eine Uhr mit viel Zeit plus ein Wischlappen
Schon die Schiffswahl war nicht einfach. Zwei gestandene Führungspersönlichkeiten, Hirte und Leutnant, gewohnt zu befehlen. Kapitäne qua Amt und Genpool. Torsten Much, Carsten Sauerberg.
Herbstregatta. Abmachung: wir segeln die mit. Zu Zweit. Ohne Spi geht das. Welches Boot? Nun…nehmen wir meines. Oder lieber meines? Am Samstag, dem Tag des Events war es eher warm-flau-diesig. Entscheidung auf dem Steg. Melden wir die 332. Damit haben wir bei dem bisschen Wind bessere Chancen.
Führungspersönlichkeiten handeln oft auch ohne Befehl. Sozusagen aus eigenem Antrieb. Aus eigenem Antrieb verlässt Torsten in der Vorstartphase seine Stellung, geht nach unten, leert den Wassertank, aber macht das Seeventil der Spüle nicht auf, schaut auch nicht hin, als die Spüle überläuft…alles nass, da unten. So kann das nicht bleiben. Schon wegen Carola nicht. So ein unordentliches Boot mag sie nicht. Wischen, Torsten!
Willst Du nicht mal langsam zur Startlinie? Fragt er mich, mit Wischen fertig. Ooch, ist noch drei Minuten, noch Zeit…Schwups war die Zeit um, und wir starteten 1.20 Min. zu spät. Wir, das ist geschönt. Ich startete zu spät. Denn ich war am Lenker. Versemmelt. Auch zu spät gingen Horst und Astrid mit ihrer französisch sprechenden 332 über die Linie. Noch hinter uns. Wer da wohl verpennt hat? Am Lenker saß Horst.
Pünktlich natürlich und somit ein Stück vor uns Dagmar und Matthias mit ihrem Lieblinxstück-332. Streber.
Nun denn. Abgerechnet wird am Schluss. Und das wäre doch gelacht, wenn zwei Führungspersönlichkeiten dieses Malheur nicht ausbügeln könnten. So einfach aber geht das nicht. Matthias und Dagmar lassen sich nicht so huschhusch mal einholen. Und Horst und Astrid auch nicht sich abschütteln. Das war anders geplant.
Aber abgerechnet wird am Schluss.
Es flaut ab. Raumer Wind. Schoten auf. Lieblinxstück ist schon fast gleichauf, aber Horst ist vorbei und zieht davon. Die Führungspersönlichkeiten ärgern sich, suchen Erklärungen (kein Teakdeck, nix drin im Boot, Du hast ja sogar nen Anker mit 30m Kette vorne drin…). Dann erinnern wir uns an zwei Lebensweisheiten: es ist nicht gut, es ist nicht schlecht, es ist wie es ist. Und: dat kümmt allns as dat schall und jümmers anners as Du denkst. Aber dazu später mehr. Leetonne. Zurück zum Warder. An den Wind ran. Steuermannswechsel. Hälfte ist um. Das machen Torsten und ich immer so. Zwei Führungspersönlichkeiten, da will jeder mal steuern. Und dann ist Segeln wie Bobfahren: Der Bremser sitzt hinten. Und jeder darf auch mal Bremser sein. Kleine Kreuz beginnt. Horst ist weg. Den sehen wir nicht mehr wieder. Der Fisch ist geputzt. Aber Lieblingsstück…runter zum Strand. Alte Regel in Heiligenhafen: Kreuz vorm Warder ist runter zum Strand. Lieblinxstück bleibt draußen. Öle mit der sch…großen Luffe will vorbei und geht auch zum Strand. Fahren wir eben weiter runter.. Bis das Wasser hell und Wurmhügel am Grund sichtbar. Wende. Tonne. Öle hinter uns. Lieblinxstück klar hinter uns. Horst dichter dran, aber vor uns. Und ganz dicht noch Jan Rohde vor unserm Bug. Am Ende war das der Einlauf. Unseren Platz habe ich vergessen. Aber es war gut, wir waren zufrieden mit unseren Führungsqualitäten.
Carsten Sauerberg
