Mit KIWI zu Nessi

2011 KIWI will Nessi besuchen (Caledonian Canal)

Auf unserer Reise zu den Faröern 2008 waren wir schon einmal ganz in der Nähe des Caledonian Canals. Genauso unsere Segelfreunde Bert und Marlene mit ihrer Heimkehr, einem ehemaligen Fischkutter, den sie in sechsjähriger Arbeit zum Segelschiff umgebaut haben. Sie sind damals durch den Caledonian Canal gegangen und Gert bekam ganz sehnsüchtige Augen – aber wir wollten ja woanders hin und für beides gleichzeitig reichte die Zeit nicht. KIWI ist traurig und Gert verspricht, daß wir das nachholen.

Nun ist es also so weit. Am 30. Juni soll es los gehen. Wegen Sturmes starten wir unsere Reise mit einem Tag Verspätung. Der Regen hat aufgehört. Es ist noch immer Starkwind angesagt, aber es regnet nicht mehr und wir wollen endlich unseren Törn beginnen. Also Leinen los. Der Wind bläst mit mehr als 6 Bft (in Böen mehr) aus WestNordWest, genau dort wo wir hin wollen. Da heißt es "kreuzen"! Wir kreuzen bis in den Großen Belt hoch, überlegen, ob wir durch den Limfjord gehen sollen oder Bagenkop anlaufen und dann morgen nach Kiel. Plötzlich haben wir aber einen Anlieger nach Kiel. Wir wen- den und weiter geht die Rauschefahrt. Nach 12 Stunden machen wir an der Seglerbrücke in Kiel- Holthenau, gleich neben der Schleuse fest. Wir beschließen, uns für den Kanal zwei Tage Zeit zu nehmen. In Brunsbüttel angekommen, wollen wir unseren Freund Ingo besuchen, der bei der Radarüberwachung für die Elbe arbeitet. Gert ist fasziniert von der Technik, mit der alle Frachtschiffe auf der gesamten Elbe von Cuxhaven bis Hamburg über Monitore begleitet werden. Wer bei unsichtigem Wetter zusätzlich eine Radarberatung anfordert, bekommt sie auch von hier. Wir stellen fest, daß unsere neue Funke nicht einwandfrei funktioniert. Wir können nicht senden. In Cuxhaven schalten wir einen Techniker ein, der jedoch meint, daß die Funke zum Hersteller eingeschickt werden muß. Wir liegen 5 Tage in Cuxhaven fest, ehe wir weiter nach Helgoland segeln können.

 

Wir haben guten Wind. Wir sitzen gemütlich unter unserer neuen zusätzlichen verkürzten Kuchenbude ohne Ölzeug zu tragen. Steuern tut der Windpilot – ab und zu "zupft Gert den Kurs zurecht". Dann taucht aus dem Dunst der "Fuselfelsen" auf. Nach 6 Stunden machen wir im bereits überfüllten Hafen als 5. Schiff im Päckchen fest. Am Ende liegen 7 Schiffe in unserem Päckchen. Nur gut daß die See ruhig ist. Trotzdem legen wir sicherheitshalber noch eine Landleine. Wir machen einen Spaziergang über die Insel. Das Eiland ist so klein, jeder Zentimenter wird genutzt, trotzdem gibt es Schrebergärten auf der Insel, liebevoll gepflegt und meist mit Nutzpflanzen bestückt, denn Obst und Gemüse sind rar und teuer auf der Insel. Wir kommen an den Nistplätzen diverser Seevögel vorbei, den sog. Lummenfelsen – direkt an den Felsen gebaut und oft nur Platz von wenigen Zentimetern für das Ausbrüten ihrer Eier verfügbar. Diese zauberhafte Insel ist immer wieder ein Erlebnis. Wir tanken voll und dann geht aus los mit dem großen Sprung über die Nordsee. Wir segeln bei schwachem Wind 5 Stunden als der Wind endgültig einschläft. Wir motorsegeln jetzt und Gert legt sich schlafen. Gegen Mittag des nächsten Tages nimmt der Wind etwas zu, wir rollen die Genua aus. Am Abend dann wieder totale Windstille. Die See wie eine große Badewanne. Dann sehen wir aber am Horizont wie sich dort etwas zusammenbraut. Blitze zucken auf, dunkle Wolken ballen sich zusammen und in 3-4 nm können wir eine Windhose erkennen. Sie bewegt sich auf uns zu – zum Glück löst sie sich vorher auf. Bevor es zu regnen beginnt und die Gewitterfront durchzieht, machen wir noch schnell ein Reff ins Groß. Nun ist es endgültig vorbei mit der Kuschelfahrt. Jetzt geht es ans Eingemachte. Die Küche bleibt kalt. Der Wind nimmt zu auf 6 Windstärken. Um kurz vor Mitternacht nimmt das einzige Schiff weit und breit über Funk mit uns Kontakt auf. Es fährt mit noch geringerer Geschwindigkeit direkt vor uns. Es ist die Western Pride und ein Vermessungsschiff. Sie zieht 3 nm lange Kabel hinter sich her. Wir werden gebeten, unseren Kurs zu ändern. Da wir bereits hoch am Wind segeln, können wir nur abfallen – das ist ärgerlich, verschenken wir doch wertvolle Höhe. Nach 1 Stunde erneuter Kontakt. Wir können wieder auf Kurs gehen. Wir segeln 305°, Kurs auf Peterhead abgesetzt. Um kurz nach Mitternacht laufen wir nach vier Tagen und drei Nächten ein.

 

Am späten Vormittag statten wir dem Hafenmeister einen Besuch ab. Er kann sich noch an unseren Besuch vor 3 Jahren erinnern. Wir gehen in die Stadt und kaufen Obst und Gemüse ein und am Abend gibt es wieder einmal ein schönes Abendessen. Am nächsten Tag geht es weiter in den Moray Firth hinein nach Whitehill, Buckie, Lossiemouth bis nach Inverness am Eingang des Caledonian Canals. Inverness, die Hauptstadt des Verwaltungsbezirkes Highlands, darf man nicht so einfach links liegen lassen. So legen wir einen Hafentag ein. Der freundliche Hafenmeister bietet an, in seinem Büro einen Internetanschluß für uns zur Verfügung zu stellen, was wir gerne annehmen, um email- und wettermäßig wieder auf dem Laufenden zu sein. Wir fragen nach einer Busverbindung in die Stadt. Es gibt leider keine. Er bietet an, uns mitzunehmen. So sind wir schnell in der Stadt. Es ist eine hübsche Kleinstadt mittlerer Größe, natürlich mit einem Castle, in dem heute die Stadtverwal- tung und einige Gerichte untergebracht sind. Von hier hat man einen schönen Blick über die Stadt. Nachdem wir einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt haben, können wir uns für 190 £ 8 Tage im Kanal aufhalten. Vor uns liegen insgesamt 29 Schleusen. Die erste Schleusung ist um 9.30 Uhr. Es kommt aber noch ein größeres Schiff von der Schleuse Clachnaharry, daß zuerst allein geschleust werden muß. Dann sind wir mit 3 anderen Booten dran. Das Personal hat uns eingewiesen, mit welcher Seite wir festmachen sollen. KIWI läuft zuerst ein. Wenn das Wasser einströmt, will KIWI immer ganz wild tanzen. Es ist dann schwer und kräftezehrend sie zu bändigen. Gert bedient die Achterleine mit der Winsch. Es folgen noch eine Schleuse und eine Drehbrücke, dann machen wir Schluß für heute. Eine idyllische Ankerbucht erregt unsere Aufmerksamkeit. Hier wollen wir bleiben.

 

Wir sind im Loch Ness!!! Wir halten angestrengt Ausschau nach Nessi aber Nessi scheint nicht zuhause zu sein. Mittags machen wir uns auf den Weg zur Ruine des Urquart Castle. Wir ankern in der Bucht und gehen mit dem Schlauchboot an Land. Von dort haben wir einen traumhaften Blick über Loch Ness. In der Schloßruine sehen wir eine Dudelsackpfeifer sitzen und spielen. Es erscheint uns, als ob er schon seit 100 Jahren dort säße. Der Wind nimmt zu und es wird sehr ungemütlich. Wir verholen in den nahen Hafen. Am südlichen Ende des Loch Ness liegt Fort Augustus. Es ist eine kleine Ortschaft mit ca. 500 Einwohnern. Ihren Namen bekam die Siedlung von der Festung Fort Augustus. Die gleichnamige Schleuse ist fünfstufig!! und ein großer Anziehungspunkt für Touristen, die die Schleusenkammern zu beiden Seiten zahlreich säumen. Es ist hochsommerlich warm und wir kommen ganz schön ins schwitzen.

Am nächsten Morgen fahren wir durch eine Märchenlandschaft in den Loch Oich ein. Dieser See ist der höchstgelegene innerhalb des Caledonian Canals. Von nun an geht es schleusenmäßig nur noch bergab. Insbesondere die Verbindungswege zwischen den Seen sind sehr ursprünglich und sehen irgendwie so unberührt aus.Hohe Bäume und Hecken säumen das Ufer. Vielerorts sind auch kleine Wanderwege beidseitig des Canals. Ganz anders als im Göta-Kanal, wo das Flußufer von von zahlreichen rot gestrichenen Holzhäusern gesäumt wird. Wir gehen bis hinter die Laggan Schleuse und machen KIWI an einem Ponton der Servicestation "le boat" fest. 

Wie wir von deutschen Charterern gehört haben, wird diese Organisation stark von TUI gebucht. Eine Woche mit einem mittelgroßen Motorboot, auf dem 4 Personen übernachten können, kostet 2000 €. Die Leute werden 3 Stunden lang in der Bedienung des Bootes eingewiesen und dürfen dann – ohne Bootsführerschein – auf dem Canal fahren, allerdings nicht auf die offene See hinaus. Entsprechend sehen die Boote auch aus.

Wir befahren jetzt den Loch Lochy. Dieser See hat einen anderen Zauber. Eben noch 400m hohe Bergflanken bis ans Ufer, nun eine flache Landschaft, aber voraus in der Ferne taucht der Ben Nevis auf. Er ist mit 1.332m Schottlands höchster Berg. Beim Näherkommen erkennen wir noch Reste von Schnee an den sonnenabgewandten Seiten.

Vor der Schleuse von Gairlochy an diesem so zauberhafter Ort, umgeben von Wald auf der einen Seite und Feldern auf der anderen Seite machen wir fest. Wir gehen Strom kaufen und machen einen kleinen Spaziergang. Am nächsten Tag erwartet uns ein wunderschöner Morgen. Wir sind früh aufgestanden. Es riecht nach Sommer, Wiesen und Feldern. Wir können uns gar nicht beruhigen über den engen Kontakt mit der Natur. Mit der ersten Schleusung soll es weiter gehen. Ein Schiff legt ab und kreist vor der Schleuse. Wir rufen die Schleuse, um in Erfahrung zu bringen, wann wir geschleust werden können. In 7 Minuten erfahren wir. Wir melden KIWI zur Schleusung an. Es wird ein Alarmstart. Aufgestanden vom Frühstückstisch, kein Bett und kein Abwasch gemacht, die Wäsche noch auf der Leine legen wir ab.

 

Vor uns liegt eine idyllische Kanalfahrt von 5 Meilen. Wir drosseln den Motor und tuckern mit 4,5 Knoten. Wir genießen den frühen Morgen mit seinen Gerüchen und seiner relativen Stille. Um halb elf machen wir in Banavie, der letzten Station vor der Seeschleuse, fest. Es ist Zeit genug, um Fort William einen Besuch abzustatten.

Wir bummeln durch die Hauptstraße, die sehr touristisch aufgemotzt ist aber trotzdem noch ihren ursprünglichen Charme behalten hat. Wie zauberhaft der Ort gelegen ist, sehen wir erst am näch- sten Tag, als wir vor der Seeschleuse liegend auf den Ort schauen können. Fort William hat eine ganz besondere Sehenswürdigkeit. Hier fährt der West-Highland Zug, betrieben noch mit einer richtigen Dampflokomotive, die ebenso wie die Waggons liebevoll geputzt wird. Die Messingteile blitzen nur so. Es ist eine Augenweide.

Wir meistern die letzte große Herausforderung bzw. Attraktion für die Touristen, "Neptun's staircase", die siebenstufige Schleuse und dahinter liegende Schwingbrücke, bevor wir in Corpach sea lock ankommen und eine einmalige Fahrt durch relativ unberührte Natur und grandiose Landschaften zuende geht. Nachdem wir die Seeschleuse verlassen haben, beginnt wieder die Rechnerei, wie steht die Tide, wie lange haben wir den Strom mit, wie groß darf die maximale Distanz zum nächsten Hafen sein. Der nächste Morgen ist bedeckt. Wir sind früh aufgestanden. Zuerst wird von See her ein Arbeitsschiff geschleust. In unseren Augen dauert es ziemlich lange, da wir sehen, wie uns das Wasser weg läuft. Endlich sind wir in der Schleuse. Im Loch Linnhe tuckern wir noch friedlich vor uns hin, zum segeln ist nicht genügend Wind. Nach zwei Stunden nimmt der Wind zu, da wir den Strom aber immer noch mit haben, kommen wir mit 8-9 Knoten gutvoran, heidewitzka!! Aber nach einer weiteren Stunde ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Plötzlich haben wir Strom und Welle gegenan und das ist dann gar nicht mehr lustig. Es entsteht eine derartige "Hackwelle", daß wir teilweise mit nur 1 Knoten voran kommen. Oder auf der Stelle stehen. Die Böen mit teilweise mehr als 7 Bft tun ein Übriges. Gert entscheidet spontan, daß wir in der kleinen querab von uns liegenden Bucht vor Anker gehen. Und wieder klingelt der Wecker um 6°° Uhr in der Früh. Die Programmpunkte bis zum Ablegen laufen routiniert ab. Um 8.10 Uhr gehen wir Anker auf. Wir haben keinen Wind dafür aber den Tidenstrom mit. Schon bald sehen wir in der Ferne viele Segel – eine Regatta! Sie sind überall und es ist nicht aus- zumachen, wie der Kurs verläuft, obwohl das Start/Zielboot ständig Schüsse abgibt. Gert versucht, so gut wie möglich auszuweichen, was dankbar registriert wird. Nachdem wir alle glücklich passiert haben, sehen wir die nächste Regatta. Hier das gleiche Spiel. Wir haben uns für heute eine Tagesetappe von 40 nm vorgenommen. Daß das mit einer Tide nicht zu schaffen sein wird, hätte uns klar sein müssen. Und promt kenntert die Tide 6 nm vor unserem Ziel. Wir befinden uns in einer Meeresenge zwischen zwei Inseln. Der Strom setzt so plötzlich und so stark, daß wir innerhalb von 10 Minuten 0.0 Knoten Fahrt machen, ja fast schon rückwärts fahren. Überall haben sich gefährliche Strudel auf dem Wasser gebildet, die ein Schiff schon mal quer schlagen lassen können, wenn man nicht höllisch aufpaßt. In der Seekarte wird ausdrücklich davor gewarnt. Gert gibt mehr Gas, was aber auch nichts bringt. Wir kommen einfach nicht voran. Gert geht ganz nahe ans Ufer wo der Strom nicht so stark ist. Nach 1 1⁄2 Stunden ist der Spuk vorbei die von uns ausgewählte Craobh Marina kommt in Sicht.

Hier ist es landschaftsmäßig sehr schön und unheimlich still. Kein Fall klappert und keine lauten Stimmen sind zu hören. Wir können uns gar nicht satt sehen, zumal "Klara" auch noch rauskommt und der Umgebung eine heitere Note gibt. Der Hafen bietet jeglichen Konfort inklusive W-Lan-Anschluß. Wir sind begeistert und nutzen das aus.

Da uns der Caledonian Canal so gut gefallen hat, beschließen wir, daß wir uns das noch einmal können wollen. Wir nehmen Kurs auf den Crinan Canal. Nach 10 nm melden wir uns über VHF, Kanal 74, bei der Seeschleuse Bellanoch an. Wir haben Glück, die Schleuse ist offen und wir können sofort reinfahren. Dieses Mal läuft das Schleusen aber anders ab als im Caledonian Canal. Das Wasser schießt nur so in die Schleusenkammer, alles ist eine einzige brodelnde Masse an deren Oberfläche sich Schaumberge bilden und KIWI tanzt mittendrin.

Im office werden wir darauf hingewiesen, daß die Schleusen mit Ausnahme der Seeschleusen und der daran anschließenden ersten Schleuse grundsätzlich manuell zu bedienen sind. Der Canal ist gegenüber dem Caledonian Canal nochmals eine Steigerung, teilweise haben wir das Gefühl, als führen wir durch einen Wald. Aufgrund seiner geringen Breite (teilweise nur 7m) dürfen wir nicht mehr als 4 Knoten fahren und den Schiffen, die nach NW fahren, ist Vorfahrt zu gewähren. Der Crinan Canal wurde zwischen 1793 und 1801 erbaut. Danach wurde der Kanal weiter verbessert im Jahre 1816 und wiederum erweitert zwischen 1930 und 1932 mit neuen größeren Seeschleusen. Trotzdem mutet alles noch sehr nostalgisch an. Zum Öffnen der Drehbrücken ist ein langer Ton mit der "Tröte" zu geben. Hinter der zweiten Drehbrücke beenden wir unsere Tagesetappe und legen an. Gert schaut sich natürlich sofort den Mechanismus der von Hand betriebenen Drehbrücke an.

Gegen Abend zieht sich der Himmel ganz zu, die Wolken hängen tief in den Bergen, die Sicht ver- schlechtert sich und es fängt leise an zu nieseln. Heute haben wir ein hartes Stück Arbeit vor uns. Wir müssen 5 Schleusen rauf und vier Schleusen abwärts. Wir sind mit insgesamt drei Schiffen in den Schleusen. Den größten Teil der Arbeiten machen wir alle gemeinsam. Nur eine Hilfskraft steht an den Kurbeln, um die Kammern entweder zu fluten oder Wasser abzulassen. Beim aufwärts schleusen legt er die ihm zugeworfenen Leinen über die Haken. Trotzdem bleibt noch genügend Arbeit für uns übrig und der Schleusenvorgang dauert entsprechend lange.

Und dann passiert es – in der letzten Schleuse hängt KIWI sich auf. Die Achterleine – auf Slip belegt - hat sich an unserer Klampe so unglücklich untereinander belegt, daß sie nicht mehr nachrutschen kann. Gert reißt und zerrt aber nichts bewegt sich. Die anderen werden aufmerksam und rufen, daß kein weiteres Wasser abgelassen werden soll. Sofort wird reagiert. Der Skipper vom Schiff hinter uns hat gleich ein Messer bei der Hand, klettert nach oben und will die Leine kappen, aber das will Gert nicht. Es gelingt ihm schließlich, die Leine frei zu bekommen, so daß der Schleusenvorgang fortgesetzt werden kann. Wir atmen auf! Wir sind so geschafft, daß wir an diesem Tage nicht mehr weiter wollen. Gegen Mittag setzen wir uns mit Nieselregen in Bewegung. In einem dichtbelaubten Abschnitt des Kanals sehen wir wie ein Schiff vor uns im Kanal wendet. Dabei kollidiert es mit seiner Mastspitze in den Baumkronen, es kommt gefährlich ins Wanken. Zum Glück passiert nichts weiter, alles bleibt oben. Eine Brücke kommt in Sicht, sie ist geschlossen – hat uns etwa niemand avisiert?? Gert stößt gewaltig ins Horn. Sofort kommt jemand angelaufen und entschuldigt sich (wofür?). Die Brücke geht auf, wir passieren und hinter uns schließt sie sich wieder an diesem hübschen und verwunschenen Ort. Wir blicken uns noch einige Male um und können uns nicht satt sehen. Die letzten 3 Schleusen werden sichtbar. Hier ist noch wieder eine Besonderheit zu erwähnen. Eine Straßenbrücke führt direkt durch die Schleusenkammer, das heißt, die Zeit, die die Brücke geschlossen bleiben muß, ist besonders lang, wenn die Schleuse von Laien bedient wird. Im Vorhafen vor der Seeschleuse treffen wir die beiden Schiffe vom letzten Liegeplatz wieder. Wir gehen längsseits. Wir machen einen Spaziergang durch den kleinen Ort aber er ist recht uninteressant, gar nicht zu vergleichen mit dem zauberhaften Ort Crinan am anderen Ende des Kanals. Wir helfen noch anderen Schiffen beim Schleusen, von denen eines auch im Vorhafen bleiben und erst am nächsten Tag weiter will. Sie kommen bei uns längsseits. Es sind 3 Männer aus Nordirland. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, daß wir für den nächsten Tag den gleichen Ort/Ankerplatz anvisiert haben.

Wir nehmen die erste Schleusung im 9.00 Uhr. Draußen angekommen haben wir einen guten Se- gelwind. Unsere "Mitsegler" motoren – wir ziehen die Segel hoch. Bald tun sie es uns gleich. Sie haben eine Nauticat. Regattafieber kommt auf. Immer wieder wird geschaut, wo sie denn sind. Wir segeln bis zur Ankerbucht in Lamlash.

Die Einfahrt in den Hafen von Port Patrick ist sehr felsig und erfordert größte Aufmerksamkeit. Der Hafen ist klein und eigentlich voll. Die Schiffe liegen schon im Viererpäckchen. Unsere Bekannten von der Nauticat liegen auch schon da. Sie winken uns heran. Sie wollen noch am Abend auslau- fen. Wir werden dann ihren Platz einnehmen und nicht mehr so sehr in der Hafeneinfahrt liegen. Warum der Hafen so voll ist, erfahren wir bald. Es ist Hafenfest, veranstaltet von der Rettungsgesellschaft. Es ist schönes Wetter und der Hafen ist voll von Besuchern und Einheimischen. Sie sitzen vor den Pubs und die "Pints" fließen in Strömen. Ein großer "Scheiterhaufen" wurde aufge- schichtet und alles wartet gespannt, wann er denn nun endlich angesteckt wird. Um 22°° Uhr ist es endlich soweit. Das Feuer brennt lichterloh. Trotzdem fragen wir uns, warum so viele Leute am Hafen stehen, nur wegen des Feuers doch sicherlich nicht? Nein – eine halbe Stunde später star tet mit einem lauten Knall ein Feuerwerk. Es dauert 30 Minuten lang. So dicht waren wir noch niemals an einem Feuerwerk dran. Wir liegen direkt davor, gut daß der Wind in die andere Richtung bläst. Das ist ein Schauspiel der besonderen Art. Links das Feuerwerk, rechts das Lagerfeuer und in der Mitte leuchtet der Mond.

Heute soll es nach Nordirland gehen. Es ist nicht weit – keine 30 nm. Mitsegler raten uns, nach Carrickfergus in die Marina zu gehen, sie sei preiswerter und nicht so groß. Kurz vor 9°° Uhr laufen wir mit dem Morgenhochwasser aus. Es nieselt leicht, aber der Wind ist gut. Gegen Mittag ist die Freude allerdings vorbei. Der Wind schläft mehr und mehr ein. Wir stellen den Motor an. Aus dem Nieselregen wird ein richtiges Unwetter mit Sichteinschränkungen, so daß wir das Radargerät einschalten, denn die Zufahrt nach Belfast wird von Fähren, Kreuzfahrtschiffen und Frachtern ebenfalls frequentiert. Beim Anlegemanöver werden wir noch einmal richtig naß. Carrickfergus ist eine vorbildliche Marina. Jedem Liegeplatz ist ein Stromanschluß zugeordnet, der bei Bedarf aktiviert wird. Die Sanitäranlagen sind ebenfalls in einem hervorragenden Zustand, fast wie zuhause. Das Gelände wird rund um die Uhr bewacht.

Heute geht es mit dem Vorortzug nach Belfast. Eine gute halbe Stunde fährt der Zug. Es ist eine geschäftige und charmante Stadt. Gegenüber dem Rathaus finden wir die Touristeninformation wo wir uns mit entsprechendem Material versorgen. Hier buchen wir auch eine Sightseeingtour. Die Tour dauert 1 1⁄2 Stunden und ist wirklich gut.

1603 wurde Belfast gegründet. Es liegt an der Mündung des Flusses Lagan in der Bucht von Bel- fast. Angesichts der fortdauernden Aufstände im katholisch gebliebenen Irland wurde die Ansiedlung loyaler schottischer Presbyterianer speziell im Bereich Belfasts durch die Krone gefördert. Im 17. Jahrhundert bauten aus Frankreich geflohene Hugenotten die Leinenindustrie auf.

Erst mit der Erweiterung des Hafens Ende des 18. Jahrhunderts gewann auch der Schiffbau an größerer Bedeutung. Die Stadt verfügt über das größte Trockendock der Welt der Werft Harland and Wolff. Die Titanic wurde hier gebaut, worauf die Belfaster sehr, sehr stolz sind. Belfast hat heute 267.500 Einwohner. Die Randviertel Belfasts gehörten u.a. in den 1970er Jahren zu den Schauplätzen des Nordirlandkonfliktes. Auch uns werden die Gebiete sowohl der Falls Road (Wohngebiet katholischer Nordiren) und der Shankill Road (englischer Protestanten) gezeigt. Die propagandistischen Wandgemälde (murals) aus dieser Zeit sowohl im Falls- wie im Shankill- Viertel sprechen für sich. Die Stadt hat einen großen Eindruck bei uns hinterlassen.

Wir segeln weiter die irische Küste entlang bis zu dem kleinen Städchen Ardglass. Hier bleiben wir zwei Tage bis das Unwetter vorbei gezogen ist.

Bei noch immer rauher See mit 6 Windstärken segeln wir rüber zur Isle of Man. Wir entscheiden uns, Port St. Mary an der Südspitze anzulaufen. Hier gibt es zwar keinen richtigen Hafen für uns, aber eine hohe und starke Mole hinter der wir uns ggfls. verstecken können und wo wir auch noch genügend Wasser haben. Der Tidenhub ist gewaltig und die Strecke vom Schiff auf die Pier zeitweise entsprechend lang. Wir schauen uns den Ort an und genießen "fish and chips", die besten weit und breit.

Das Wetter ist zur Zeit nicht gerade sehr einladend. So kaufen wir uns ein Tagesticket und fahren kreuz und quer über die Insel. Sie ist als autonomer Kronbesitz (engl. crown dependency) direkt der britischen Krone unterstellt, jedoch weder Teil des Vereinigten Königreiches noch eine Kronkolonie. Sie stellt ein gesondertes Rechtssubjekt dar und ist nicht Teil der Europäischen Union. Dennoch gilt ein Teil des EU-Rechts auf der Insel, und die Isle of Man nimmt an der Zollunion teil. Die Insel hat ihre eigene Währung, das Isle-of-Man-Pfund, welches 1:1 an das Pfund Sterling ge- koppelt ist und ihre eigenen Briefmarken. Die Isle of Man ist bekannt als Steueroase. Die 572km2 große Insel ist größtenteils hügelig. Die höchste Erhebung ist der 621m hohe Snaefell, der mit der Snaefell Mountain Railway erreicht wird. Der längste Fluss Sulby misst 17km.

 

Auf der Isle of Man wird heute Englisch gesprochen. Die ursprüngliche Sprache der Insel ist das Manx, eine keltische Sprache.

Die an der Ostküste der Insel liegende Stadt Douglas ist seit 1863 deren Hauptstadt und wichtig- ster Hafen. Tynwald, das Parlament der Isle of Man, hat hier seinen Sitz. Die Stadt dehnte sich um ihren natürlichen Hafen herum aus. Wichtigste Einnahmequelle der Stadt ist der Tourismus.

Die Stadt Douglas hat ihren Namen von den Flüssen Dhoo und Glass River, die in Douglas ins Meer münden.

In Douglas angekommen, fallen uns als erstes die Palmen auf. Die wunderhübsche Uhr an der Promenade ist ebenfalls sehenswert. Die großzügig angelegte Promenade mit den liebevoll ange- legten Blumenrabatten ist eine Augenweide und läßt viel von der einstigen Bedeutung der Stadt erahnen. Überhaupt ist alles sehr sauber und gepflegt.

 

Am späten Nachmittag machen wir uns auf zur railway station und fahren im 1. Klasse-Abteil der Dampfeisenbahn wieder zurück. Die Eisenbahn macht ordentlich Dampf und uns wird in Erinne- rung gerufen, daß es in früherer Zeit nicht nur ein Vergnügungen war, damit zu fahren.Die beiden Städte Ramsey und Peel nehmen wir intensiver unter die Lupe. Das castle in Peel bie- tet eine phantastische Aussicht über die Stadt, den Badestrand und die Küstenlinie.

Peel hat eine hübsche Promenade mit weißem Sandstrand und auch einen kleinen Yachthafen, der nicht trocken fällt, er wird bei den entsprechenden Wasserständen abgeschottet.

Am nächsten Tag ist das Wetter nicht so gut. Wir bummeln durch Port St. Marie und am Strand entlang. Nachmittags gehen wir in den Pub zwecks Internetanschluß. Die Bilder für unser Fotoalbum hoch zu laden und mit Kommentaren zu versehen dauert ziemlich lange. Dann noch e-mails abrufen und Zeitung lesen. Nach drei Stunden und 3 Guiness ist die Batterie unserer Laptops am Ende und wir wandern in der Dunkelheit zurück zum Schiff. Es ist Sturm aufgekommen und gar nicht so einfach, von der Kaimauer aus aufs Schiff zu gelangen, da der Wind ablandig ist. Bei uns längsseits hat ein weiteres Schiff festgemacht. Die beiden netten älteren Herren haben sich zum Essen an Land begeben.

Später in der Nacht hören wir durch den Sturm Stimmen rufen. Die beiden sind zurück und versu- chen auf ihr Schiff zu gelangen. Es gelingt ihnen nicht, die Leinen so weit ranzuziehen, daß sie übersteigen können. Erst als Gert von unserem Schiff aus die Sorgeleine, die wir an der Treppe befestigt haben, unter Aufbietung aller Kräfte heranzieht, gelingt es.

Heute ist das Wetter perfekt. Moderater Wind aus der richtigen Richtung und später streckt auch die Sonne ihre Nase hervor. Wir segeln unter Vollzeug und werden immer schneller. Langsam entschwindet die zauberhafte Isle of Man hinter uns im Dunst. Wenn man 50 Meilen vor sich hat, kann man nicht damit rechnen, daß immer alles zusammenpaßt – wie Windstärke, Windrichtung, Strömung und Tide. Heute war es so. Ungefähr 15 nm vor Holyhead setzte solch ein starker Ebbstrom aus der Liverpooler Flußmündung, daß er uns wieder genau in die vorausberechnete Kurslinie schob – kurz bevor wir die Bucht von Holyhead erreichen sogar mit 8 Knoten. Die sich bei dieser Strömung bildenden Wirbel sind wieder gut zu sehen.

Es ist herrliches Sonnenwetter. Wir bummeln durch die Stadt. Es ist Markttag und es herrscht ein buntes Treiben. Es ist eine geschäftige Stadt, die von den Aktivitäten des Hafens bestimmt wird. Wir besuchen die 1000 Jahre alte Kirche und kommen mit der netten Aufsicht ins Gespräch. Nach dem üblichen woher und wohin gibt sie uns den eindringlichen Tipp, in Dublin unbedingt auf unsere Geldbörse aufzupassen. Internetzugang gibt es nur im Büro der Hafenaufsicht.

Wir machen uns auf den Weg zurück über die Irische See nach Dublin. Um 4 Uhr morgens laufen wir im Hafen von Howth ein. Howth ist ein kleiner Hafen nahe Dublin, zu vergleichen mit Travemünde und Lübeck. Howth hat einen Fischereihafen und eine große und teure Marina (40€/Nacht). Im Hafengebiet, finden wir ein Feinschmeckerlokal neben dem anderen, Schiffsausrüster und Fischgeschäfte, wo der angelandete Fisch fangfrisch und delikat zubereitet verkauft wird. Mit der Vorortsbahn fahren wir nach Dublin rein. Der Name Dublin ist die englische Form von Dubh Linn (irisch für „Schwarzer Tümpel“). Innerhalb der Stadtgrenzen leben offiziell circa 500.000 Einwohner.

Die Liffey teilt Dublin in den Nordteil (Northside) und den eher vornehmen Süden (Southside), wo- bei diese Unterteilung heute weniger scharf ist als in früheren Jahrzehnten. Die Innenstadt erhält ihre Struktur durch das Kreuz aus dem Fluss Liffey mit seinen zahlreichen Brücken und der Haupt- achse O'Connell Street-Grafton Street–Harcourt Street. Hier liegen die meisten Kaufhäuser, aber auch das Trinity College mit seiner berühmten Bibliothek und der städtische Park St.Stephen's Green.

Ein neues Wahrzeichen der Stadt ist der 2003 errichtete Spire des britischen Architekten Ian Ritchi nächst dem Hauptpostamt in der O'Connel Street, eine 123 Meter hohe Säule aus Edelstahl, die sich von einem Durchmesser von 3 Metern an der Basis bis auf 15 Zentimeter in der nachts beleuchteten Spitze verjüngt. Von den Dublinern wird der Spire gerne scherzhaft als "Der groesste Zahnstocher der Welt" bezeichnet.

Wir machen wieder unsere obligatorische Stadtrundfahrt und erfahren so viel über die Stadt und ihre Bewohner.

Wir segeln langsam die irische Küste entlang und landen schließlich in Kilmore Quay, ganz im Süden. Hier herrscht richtig Badebetrieb. Die Marina ist im Fischereihafen integriert. Viele Fischerboote jeglicher Größe laufen ein und aus. Aber beim genaueren Hinsehen stellen wir fest, es wird kaum Fisch angelandet. Aus den Bäuchen der größeren Schiffe werden weiße Säcke gehievt und in die schon bereit stehenden Lastwagen verladen. Was drinnen ist wollen wir wissen. Die heißbegehrten Jacobsmuscheln! Und was bringen die kleinen Boote an? Sie fahren gleich bis an die Slipanlage heran, wo schon Privatwagen oder kleinere Lieferwagen bereit stehen und die bereits fertig in Kisten verpackten und mit einem Stück Sack abgedeckten Krebse und Hummer verschie- dener Größe entgegennehmen.

Wenn die Angelschiffe hereinkommen, werden sie eskortiert von zwei Seehunden, die genau wissen, daß für sie etwas abfällt. Sie kommen weit aus dem Wasser heraus und fressen den Anglern aus der Hand. Sie sind außerordentlich zutraulich und hier im Hafen offenbar zuhause. Und auch hier gibt es Fish and Chips. Und was für welche, einfach "delicious" – sie können mit den Hervorragenden aus Port St.Mary (Isle of Man) durchaus mithalten.

Und wieder geht es über die Irische See Richtung Wales mit Ziel Milford Haven. Als es dunkel wird, ankern wir in der Bucht von Dale Shelf nahe Milford Haven.

Um 10°° Uhr gehen wir Anker auf. (welch ein Genuß, Gert macht brrrrrrr und der Anker kommt ohne jegliche Kraftanstrengung hoch) Wir haben guten Wind aus Nord. So rauschen wir mit achterlichem Wind über den Bristol Channel. Lundi Island kommt in Sicht, eine kleine Felseninsel am Ausgang des Bristol Channel. Um kurz nach 17°° Uhr machen wir an einer Mooring fest. Wir liegen in Lee der Insel aber trotzdem ist noch so viel Dünung in dieser Ankerbucht, daß man ständig bemüht ist, sich festzuhalten. Ziemlich ungemütlich. Wir gehen zeitig zu Bett und lassen uns von der Schaukelei in den Schlaf wiegen. Wir machen unser Dinghi klar und erkunden die Insel. Wir klettern auf einen Leuchtturm, der jedoch nicht mehr in Betrieb ist. Oben angekommen finden wir zwei Liegestühle zum relaxen vor. Wir genießen die atemberaubende Aussicht. Nach zwei Tagen verlassen wir Lundi Island wieder in Richtung Cornwall. Viele Häfen gibt es nicht für uns. All die idyllischen kleinen Hafen an der zauberhaften cornischen Küste sind für KIWI mit nur einem Kiel nicht erreichbar, das ist sehr schade. So gibt es wenig Hä- fen, die für uns in Frage kommen, was lange "Schläge" mit sich bringt. Als nächstes Ziel haben wir uns Padstow ausgeguckt. Wir schwenken ein in das Fahrwasser der ca. 4 km langen, fjordartigen Bucht. Ganz am Ende liegt Padstow. Padstow hat einen Fischerei- hafen, der trockenfällt, und einen "Stadthafen". Wir haben uns im Stadthafen angemeldet. Wir ha- ben gerade an einem anderen Segler festgemacht, als hinter uns das Tor geschlossen wird. Nichts geht mehr, niemand kommt rein und niemand mehr raus. Es kehrt Ruhe ein im Hafenbecken. Die zahlreichen sog. "speedboats", die für viel Unruhe sorgen, liegen jetzt fest.

 

Nachdem wir uns eingerichtet haben, gehen wir von Bord um Hafengeld zu bezahlen und die Umgebung in Augenschein zu nehmen. Wir sind einigermaßen überrascht, wo eben noch eine lebhafte, große Regatta stattfand, blicken wir jetzt auf eine riesige Sandbank, wo die Menschen spazieren gehen und Autos fahren. Der zauberhafte Ort lebt vom Tourismus. Hier ist den ganzen Sommer jeden Tag etwas los. Die schmalen Gassen mit ihren hübschen mit Blumenkästen behängten Hauserzeilen laden zum bummeln ein. Hier wären wir gern noch länger geblieben, aber wir haben schon den 30. August – wenn wir Ende September wieder zuhause sein wollen, müssen wir die Zeit im Auge behalten.

Oh, wie schön ist es doch, in Tidengewässern zu segeln. So kommt man doch in den Genuß, den Sonnenaufgang mitzuerleben. Also 4°° Uhr aufstehen, 5.50 Uhr Leinen los. Es wird langsam hell. Die ersten Fischerboote folgen uns. Es läuft gut, die Tide mit, wir sind frohen Mutes. Nach 10 Stunden haben wir Land's End erreicht. Hier ist von je her ein neuralgischer Punkt. Die Strömung kommt von allen Seiten. Wer hier nicht ganz genau rechnet, kommt in Schwierigkeiten. Aber wenn man so große Distanzen zurücklegen muß wie wir und darüber hinaus noch die Tide in einem Schleusenhafen zu berücksichtigen hat, ist das nicht möglich. Wir machen jedenfalls nur noch 2,5 Knoten Fahrt. Es dauert mindestens 2 Stunden bis wir wieder mehr Fahrt machen und entsprechend voran kommen. In Newlyn soll es eine tidenunabhängige Marina geben, was in Penzance nicht der Fall ist. Zum an Land gehen ist es bereits zu spät – es wird schon dunkel. So gibt Gert die Route für morgen ein, wir schauen, wie die Tide läuft und wann wir morgen raus müssen.

Heute brechen wir auf zu den Scilly Islands, von denen uns gesagt wurde, sie auf keinen Fall aus- zulassen. Zu den Scillies sind es 37 Meilen. Wir haben guten Wind der Stärke 6. Die Inseln kommen in Sicht. Der Wind hat zugenommen. Die Zufahrt zwischen den Inseln ist eng und kaum zu erkennen. Wir werden da so richtig reingespült. Im Schutz der Inseln läßt der Seegang nach und dann sind wir auch schon in der Bucht von Hugh Town auf der Hauptinsel St. Mary's. Wir haben die Wahl – gehen wir an eine der Moorings, die stets an den besten Plätzen liegen, oder ankern wir? Wir ankern.

Am nächsten Tag wird das Dinghi zu Wasser gelassen und ab geht's zur Stadtbesichtigung. An der Pier gibt es einen Dinghiponton, das ist angenehm. Das Wetter und die Vegetation sind mediterran, d.h. T-Shirt und kurze Hose. Die üppige Blumenpracht nimmt uns gefangen. Wir haben den Eindruck, daß hier die Uhren anders gehen.

Am nächsten Tag verholen wir auf die Nachbarinsel Tresco. Das ist ganz schön "haarig". Wir fahren in Schlangenlinien. Wer uns beobachtet, käme durchaus in Grübeln. Als ein paar Stunden später das Wasser weg ist und wir trockenen Fußes zur Nachbarinsel Bryher rüber gehen können, wird erkennbar, warum die Betonnung so verläuft. Wir wollen die berühmten Tresco Abbey Gardens besichtigen. Es ist die einzige öffentliche Parkanlage auf Tresco und etwa 0,7 Hektar groß. Sie liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Benediktiner-Abtei. Die Gärten ließ aber erst Augustus Smith im 19. Jahrhundert anlegen, der lange Zeit Eigentümer der Scilly-Inseln war. Dank des milden Klimas und der vielen Sonne im Sommer gedeihen im Park subtropische Pflanzen aus aller Welt. Die vielen Hecken und die Mauern des Gartens schützen die Pflanzen zusätzlich vor Wind. Das Saatgut und die Pflanzen holte sich Smith von den Kew Gardens in London.

Im Park befindet sich auch eine Sammlung von über 30 Gallionsfiguren. Sie stammen von den vielen Schiffswracks, die während des 19. Jahrhunderts auf den Scilly-Inseln Schiffbruch erlitten.

Unsere Wetterwelt kündigt einen Sturm für die nächsten Tage an. Wir überlegen, sollen wir den Sturm hier abwarten oder vorher wieder zurück zum "Festland" segeln? Es war zauberhaft hier und ganz bestimmt ein Highlight unserer Reise. Wir haben die Tide gut berechnet, so daß wir die ganze Zeit den Strom mit haben; was bedeutet, daß wir zeitweise über 9 Knoten laufen können.

Nach 6 1⁄2 Stunden machen wir wieder in Newlyn fest. Eigentlich wollten wir dieses Mal nach Penzance in den abgeriegelten Stadthafen, aber wir sind leider eine halbe Stunde zu spät. Schon vor dem Auslaufen um kurz vor 8°° Uhr können wir uns an einem zauberhaften Sonnenaufgang erfreuen und es wird dann auch ein ebenso zauberhafter Tag – zunächst mindestens. Wir haben den Wind schräg von hinten und machen sehr gute Fahrt. Als wir allerdings am Lizard Point dem südlichsten Punkt des britischen Inselreiches (Lands End als westlichstem Punkt hatten wir ja am vergangenen Dienstag passiert) sind, brechen einige Widrigkeiten über uns herein. Kreuzseen brechen sich hier und verursachen einen äußerst ungemütlichen Seegang und unser Vorsegel will nach einer Kursänderung jetzt auch nicht mehr stehen, ständig fällt es ein.

Als wir ca. 10 Meilen vor Falmouth sind, können wir die dunkle Wand, die sich hinter uns aufbaut, nicht mehr übersehen. Wir hoffen, noch vor Ausbruch des Unwetters im Hafen zu sein. Leider erfüllt sich diese Hoffnung nicht. Der Wind nimmt zu. Nachdem wir das Vorsegel schon eingerollt haben, machen wir immer noch 7 Knoten Fahrt. Gert will das Großsegel runterholen. Leider haben wir neben uns einen Segler, der weiter geradeaus will und mit gleicher Geschwindigkeit segelt. Als wir endlich frei von ihm sind und das Segel runterholen, erwischt uns die erste Sturmbö mit 8 Bft und starkem Regen, äußerst ungemütlich das Ganze. Wir sind froh, als wir endlich im Hafen lie- gen, nachdem Gert sich in den letzten freien Liegeplatz gequetscht hat.

Unsere nächste Station ist Dartmouth. Wir sehen erstaunt, daß die Schiffe hier hinten und vorne an Moorings angebunden sind, wie Ketten auf einer Schnur. Auch das Kriegsschiff hat so festgemacht. Als wir an dem Yachthafen zur rechten vorbei sind, erkennen wir die dicke Mooringreihe für Cruising Ships und wissen, dahinter dürfen wir ankern. Aber nicht umsonst, auch hier kommt die harbourpatrol und kassiert ab, insgesamt £ 7,70/p.n. Wir haben einen schönen Liegeplatz mit Blick auf das Panorama der Stadt.

Auf Wunsch des Hafenmeisters verholen wir etwas weiter zurück von den dicken gelben Bojen, weil "ein großes Schiff" erwartet wird. Wir nehmen natürlich an, daß es sich um ein Cruise-Ship handelt, aber wie erstaunt sind wir, als wir von unserem Stadtbummel zurück kommen und ein Kriegsschiff mit Kanonen an Deck festmachen sehen.

Dartmouth ist in einem Talkessel sehr hübsch gelegen. Für Nostalgiker gibt es auch hier eine private Dampfeisenbahn, die die Strecke Dartmouth – Torquay befährt. Das war eine unruhige Nacht, die Kette rasselte bei jedem Hin- und Herschweuen und scheuerte an der Bordwand, der Regen prasselte, der Sturm heulte. Morgens beim Frühstück haben wir den Eindruck, daß wir vertrieben sind, der Anker nicht hält. Gert starrt lange in seinen Computer, sich womöglich mit ihm bespricht, wo es denn hingehen soll. Bei dem sich jetzt schon anbahnenden Sturm haben wir keine Meinung, raus in die offene See zu gehen. Bleiben und den Anker neu ausbringen ist für uns auch keine Alternative. So kommt nur in Frage, weiter flußaufwärts zu gehen und dort zu ankern.

Ein Vertreter des Hafenbüros kommt im Schlauchboot längsseits und fragt uns, ob wir in der Nacht irgendetwas gehört oder gesehen haben, sie hätten da letzte Nacht ein Problem gehabt. Genaueres wollen sie aber nicht kundtun. Wie wir später in der Kneipe von Dittisham erfahren, sollen in der Nacht ein Mann und eine Frau ein oder mehrere mittelgroße Boote losgemacht haben, die dann im Hafen trieben. Ob die Wache an Bord des Kriegsschiffes da vielleicht an Sabotage gedacht hat?

Gert läßt den Motor an, kontrolliert die Leine am Dingi. Wir schauen einander an: "sollen wir den Motor abnehmen?" Wenn wir ankern oder an die Mooring gehen, brauchen wir das Dingi wieder – also bleibt der Motor dran. Im nächsten Moment erfaßt eine Bö das Dingi und kippt es mit dem Motor um. Ein Schrei: "Das Dinghi!!" Gert schnellt herum, (so schnell kennt man ihn gar nicht) reißt das Dingi hoch und versucht, es zu drehen. Mit vereinten Kräften gelingt es dann zügig, so daß der Motor schnell wieder aus dem Wasser ist. Als der Motor wieder an Bord ist, begießt Gert ihn sogleich mit Frischwasser.

Nach vier Tagen haben wir genug von der Idylle und wollen endlich wieder los. Um 8°° Uhr legen wir ab und motoren langsam den Fluß runter. Alles ist still und friedlich, so daß wir überlegen, ob unsere Entscheidung richtig war, nur in die nächste Bucht nach Torquay zu segeln. Noch in der Flußmündung ziehen wir das Großsegel hoch, ein Reff einzubinden ist wohl nicht erforderlich (denken wir). Als wir draußen in der Bucht sind, sehen wir die Schaumköpfe der Wellen. Je weiter wir raus kommen, desto wilder wird es. Wir wagen es nicht, Fock oder Genua zu setzen, da wir uns jetzt schon bald selbst überholen – wir flügen mit mehr als 7 Knoten durch das Wasser. Wenn wir das nur geahnt hätten, dann wäre es besser gewesen, das Großsegel gar nicht zu setzen, sondern nur mit der Fock zu segeln. Wir haben achterlichen Wind. Ein Blick auf unsere Instrumente zeigt uns, wir haben Windstärken von 6 und in Böen 7. Für die 14 Meilen bis Torquay brauchen wir knappe 2 Stunden. Es geht weiter nach Pool harbour. Das ist ein riesiges Freizeitareal auf dem Wasser.

Hier soll es kostengünstige Plätze direkt an der Pier geben. Der einzig freie Platz ist jedoch so ungepflegt, daß wir dann doch lieber in den daneben liegenden Hafen gehen. Wieder berappen wir fast £ 40. Strom soll noch einmal £ 3 extra kosten. Es wird immer früher, heute klingelt der Wecker schon um 5°° Uhr. Um 7°° Uhr Leinen los. Wir brauchen fast eine Stunde, um an den Ausgang des Areals zu kommen. Das Wasser strömt uns schon ganz schön entgegen. Eigentlich hätten wir eine Stunde eher auslaufen sollen, aber Gert hatte dazu keine Meinung, nun müssen wir die Folgen tragen. Wir ste- hen auf der Stelle. Gert gibt mehr Power um voran zu kommen und um vor allem auch aus dem Gefahrenbereich der Kettenfähre zu kommen.

Die Isle of Wight ist in der Ferne schon zu sehen. Wir haben den Wind, Stärke 6, aus Südost. Wir stellen fest, daß wir den Kurs nicht halten können. Da wir die westliche Spitze der Insel mit ihren Kreidefelsen und den vorgelagerten kleinen Kreidekegeln, Needles genannt, unbedingt sehen wollen, müssen wir eine Wende fahren. Diese zusätzliche Stunde und die Stunde, die wir zu spät aus- gelaufen sind, ergeben, daß wir schon jetzt die Tide gegenan haben und unser Ziel, den Hafen von Cowes, nicht mehr erreichen können. Es ist kurz nach 13 Uhr, als wir inYarmouth festmachen. Ein hübscher kleiner Ort, wie wir bei einer Besichtigung feststellen können. Leider pfeift uns der Wind so sehr um die Ohren, daß wir doch recht bald wieder aufs Schiff gehen und Kaffeestunde halten. Der für morgen angekündigte Sturm zeigt heute schon einmal seine Zähne. Wie sieht man an einem Tag möglichst viel von der Insel? Unser Rezept ist eigentlich immer eine Sightseeingtour oder ein Tagesticket für Bus oder Bahn. Ersteres wird nicht angeboten also kaufen wir uns wieder ein Tagesticket für den Bus, fahren über die Insel und steigen an interessanten Orten aus. Vielerorts, wie z.B. In Ryde, finden wir den Charme der Badeorte der "südenglischen Riviera".

Und weiter geht die Fahrt, wir laufen Shoreham-by-sea an. Die Tide läuft zu einer akzeptablen Zeit in unsere Richtung, so daß wir am nächsten Morgen um 9°° Uhr bei Niedrigwasser auslaufen wollen. Ob das machbar ist, müssen wir jedoch erst mit dem Schleusenwärter klären. Wenn wir startklar wären, kämen wir noch mit. Gert saust "in die Kneipe", um das Hafengeld zu bezahlen (zum Glück ist schon jemand da) und schon sind die Leinen los und wir in der Schleuse. Draußen erwartet uns moderater Wind. Wir ziehen unsere Segel hoch und stellen den Motor ab. Da es zwischen hier und Dover keinen akzeptablen Hafen für uns gibt, stellen wir uns darauf ein, erst spät in der Nacht vor Dover zu sein. Der Wind nimmt langsam aber stetig zu. Er kommt von hinten, so merken wir es nicht so sehr. KIWI tanzt und torkelt fröhlich auf dem Wasser. Da wir die Tide rein rechnerisch für 6 Stunden mit haben sollen, werden wir immer schneller. Wir laufen teilweise mit mehr als 9 Knoten über Grund. Am Ziel werden wir feststellen, daß uns von den 70 Meilen, die wir gesegelt sind, 10 Meilen "geschenkt" worden sind. Es ist wunderschönes Wetter, warm und strahlender Sonnenschein, wir fliegen nur so dahin. Es wird immer wahrscheinlicher, daß wir noch bei Tageslicht Dover erreichen können. Die Sonne geht unter, als wir 3 Meilen vor Dover stehen. Wir melden uns an und schon bekommen wir im wahrsten Sinne des Wortes grünes Licht (3 Lichter übereinander, grün-weiß-grün). Wir fragen noch, ob wir aufgrund der rauhen See unser Großsegel im Hafen bergen dürfen – auch das wird uns gestattet. Ein weiterer Anruf in der Marina beschert uns einen schönen Liegeplatz. Wir gehen uns die Stadt ansehen. Wir müssen einkaufen und brauchen ganz dringend Gastlandflaggen für Belgien, Holland und evtl. für Frankreich und außerdem Seekarten. Wir rechnen, wann die günstigste Zeit ist, damit wir möglichst lange die Tide mit haben. Das Verkehrstrennungsgebiet hier ist im rechten Winkel zu kreuzen – da müssen schon alle Faktoren stimmen, um den größstmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Das Ergebnis ist, daß die Tide für unsere Fahrtrichtung so läuft, daß wir um 2°° Uhr aufstehen und um 3°° Uhr den Hafen verlassen müssen. Wir fragen den Hafenmeister, ob die Marina, die durch ein Tor bei entsprechendem Tidenstand geschlossen wird, zu diesem Zeitpunkt überhaupt geöffnet ist. Ja, das ist der Fall. Es wird immer wilder. Heute nacht haben wir nur 4 Stunden geschlafen. Um 3.20 Uhr melden wir uns bei Dover Port Control und bitten um Erlaubnis, den Hafen verlassen und zuvor unser Großsegel im inneren Hafenbecken setzen zu dürfen – genehmigt! Draußen empfängt uns stockschwarze Nacht einerseits – andererseits sind wir von vielen Lichtern umgeben, die es jetzt zuzuordnen gilt. Was da so blinkt ist eine Tonne, anhand der grünen und roten Lichter kann man die Fahrtrichtung der Schiffe feststellen. So war es früher und ist es auch heute noch, jedoch gibt es inzwischen diverse Hilfsmittel, die die Orientierung wesentlich erleichtern. Auf unseren elektronischen Seekarten wissen wir immer wo wir sind. Seit diesem Jahr haben wir AIS (automatic identification system) – das ist nicht nur Gerts liebstes Spielzeug, es ist auch über alle Maßen hilfreich, besonders bei Dunkelheit. Trotz der vielen technischen Hilfsmittel, die die Navigation heute erleichtern, bleibt doch immer ein Restrisiko und entsprechend angespannt sind wir auch. Gerade vor Dover reißt der Fluß der Fähren, die kommen und gehen, nicht ab. Sie alle können nicht mal so eben auf direktem Weg von Dover nach Calais fahren, es gilt das Verkehrstrennungsgebiet nur im rechten Winkel zu kreuzen. Da kann es schon mal eng werden. Für uns als Segelfahrzeug ist das nicht immer leicht, da Wind und Tide einen mehr oder weniger ausgeprägten Stromversatz bewirken.

Um 6°° Uhr wird es langsam heller. Der Wind kommt schräg von achtern aus Südwest, er bläst mit 6 Bft und treibt KIWI so richtig vor sich her. Wir segeln zunächst nach Norden bis wir die engste Stelle des Verkehrstrennungsgebietes erreicht haben und dann im rechten Winkel rüber, die Schifffahrt immer im Auge. Endlich ist es geschafft und wir segeln im flachen Wasser. Hierher können uns die großen Containerschiffe nicht folgen. Jetzt haben wir Ruhe und Zeit für das zweite Frühstück. Zu früh gefreut. Wir bekommen Besuch von der franz. Küstenwache. Sie haben ein Beiboot ausgesetzt und kommen mit 3 Mann an Bord. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei.

Da es so gut läuft, ändern wir unsere Pläne und segeln weiter bis nach Zeebrugge. Die Abende werden immer kürzer. Anlegen, Route berechnen, eingeben, essen, abwaschen und ab ins Bett, mehr geht nicht, die Nacht ist einfach zu kurz. Um kurz nach 10 Uhr passieren wir die Grenze nach Holland. Der Wind ist heute nicht ganz so stark wie in den vergangenen Tagen. KIWI führt wieder ihren Tanz auf den Wellen auf. Unser Vorsegel steht teilweise nicht mehr richtig, was unsere Fahrt natürlich behindert. Es ist ein schöner und sonniger Spätherbsttag. Die Tide verschiebt sich jetzt immer weiter in den Tag hinein. Wir müssen also zur Zeit nicht mehr so früh aufstehen, allerdings kämen wir dann in die Dunkelheit, wenn wir die Strecken zu weit planen. Da wir jetzt in das Gebiet der westfriesischen Inseln kommen, ist das nicht so ratsam. Nicht jede der westfriesischen Inseln hat einen Hafen, der bei jeder Tide zu befahren ist. So suchen wir uns Vlieland aus. Der Hafen ist erst im vergangenen Jahr total modernisiert worden. Das Einsammeln des Hafengeldes mittels Briefumschlag wenn der Hafenmeister Dienstschluß hat, haben sie sich von den Skandinaviern abgeguckt. Wir nehmen es in Anspruch, da wir schon nachts wieder auslaufen werden. Der Hafen ist u.a. gefüllt mit mindestens 10 Großseglern. (Wahr- scheinlich ein Teil derer, die den ganzen Sommer in Kiel an der Seglerbrücke liegen) Das schöne Wetter begleitet uns auch weiterhin. Wir holen unsere Polster raus, stellen den Autopiloten an und essen, naschen und lesen bis wir um 20°° Uhr nach 16 Stunden mit dem letzten Büchsenlicht in den Burkana-Hafen auf Borkum einlaufen. Wir haben nur eine kurze Strecke vor uns – schon um 11°° Uhr machen wir im Hafen von Norderney fest. Gert war noch nie auf Norderney. Schnell die Fahrräder ausgepackt und auf geht's zur Radtour. Jeden Tag laufen wir 1 Stunde später aus. Trotzdem ist es um 6.15 Uhr noch nicht hell. Das Suchen nach den Tonnen ist immer wieder spannend. Dann geht die Sonne auf. Das stille Spätherbstwetter hält an. Von den 47 Meilen bis Helgoland können wir 10 Meilen segeln. Heute morgen ist es schon hell als wir Helgoland verlassen. Leider kein Wind, dafür aber 3 Knoten Strom mit. Um halb zwei Uhr haben wir Cuxhaven an Steuerbord querab. Hochwasser in Brunsbüttel ist um 17°° Uhr. Bis dahin sind es 17 Meilen. Das können wir schaffen. Also streichen wir Cuxhaven und gehen durch bis Brunsbüttel. Als wir zur Schleuse kommen, können wir gleich reinfahren, welch ein Glücksfall. Wir laufen um kurz vor 8 Uhr aus, sonst schaffen wir den Kanal nicht mehr am gleichen Tag. Um 18.30 Uhr machen wir an der Seglerbrücke in Kiel-Holtenau fest. Es ist ein herrlich warmer Spätsommerabend. Wir sitzen noch lange draußen. Heute lassen wir uns Zeit. Wir wollen erst am Abend in Heiligenhafen sein. Wind ist auch nicht – wir müssen motoren. Wir stellen den Autopiloten ein, holen die Polster raus und dann sitzen wir beide wieder hinten und lassen es uns gut gehen. Im Fehmarnsund läuft noch die "Kohlregatta", was ohne Wind ja auch kein Vergnügen ist. In unserem Yachthafen angekommen, werden wir gleich freudig von Vereinskameraden begrüßt. Freunde kommen vorbei und wir stoßen auf unsere glückliche Heimkehr an.

Reisetage: 95 Tage

Gesamtmeilen: 2.350 Meilen

 

Veronika und Gert