Mit der "KIWI" nach Tallin

Über Warnemünde geht es nach Bornholm. Wir entscheiden uns für den Hafen Hammerhavn, den kennen wir noch nicht.Dieser Hafen war bisher immer vernachlässigt und bot auch nicht genügend Schutz. Jetzt wird eine neue schöne und große Mole gebaut, die schon fast fertig ist. Sanitäranlagen sind im Bau und ein Kiosk ist auch schon in Betrieb. Der Hafen ist inmitten der Natur gelegen und so etwas wie ein Geheimtipp.Da wir keine Dänenkronen in ausreichender Menge dabei haben, holen wir unsere Fahrräder raus und machen uns auf den Weg nach Allinge. Zunächst einmal müssen wir unsere Räder den Berg hoch zur Hauptstraße schieben. Hier auf Bornholm ist es ganz schön bergig. In Allinge ist die Räucherei mit den herrlichen Bornholmern noch in Betrieb. Die muß man gekostet haben, der Geschmack ist einmalig.

Auf dem Weg nach Norden dürfen die "Erbsen-Inseln" Christiansø und Fredericsø nicht ausgelassen werden. Hier wartet eine weitere Delikatesse auf uns – "Ruth's Kryddersild". Das sind eingelegte Heringshappen in einer ganz speziellen Lake – eben von Ruth.

Auch Utklippan am Rande der Hanöbucht ist ein absolutes "Muß". Der Hafen ist voll und Liegen nur noch im Päckchen möglich. Dieses Eiland ist so klein – es besteht eigentlich nur aus dem Leuchtturm und dem früheren Nothafen für Fischer. Jetzt wird der Hafen nicht mehr bewirtschaftet aber der Hafenmeister erzählte uns, daß sie sich dafür einsetzen, daß er aufgerüstet wird. Es soll wieder ein Kiosk betrieben werden, die Stromanschlüsse sollen erweitert und die sanitären Einrichtungen erneuert werden. Zur Zeit existiert dort nur ein "Plumpsklo". 

Wir haben beschlossen, auf unserem Weg weiter nach Norden nicht durch den Kalmarsund zu segeln, sondern die Insel Öland an der Ostseite zu passieren – einige Häfen gibt es hier ja auch. Wie sich bald herausstellen soll, sind sie jedoch für uns zu flach, wir bleiben schon in der Einfahrt stecken. Ganz im Norden finden wir am nächsten Morgen einen passenden Hafen – Böda. 

Wir wollen einen Tag bleiben und nach Borgholm fahren und Solliden, das Sommerschloß der Königsfamilie, besuchen. Wir machen einen Spaziergang ins Dorf, suchen einen Bankomat, leider vergebens. Es gibt wohl einen, der befindet sich jedoch im Supermarkt von ICA und die haben Sonntags geschlossen. Hier gibt es keine "Bäderregelung" von der wir so verwöhnt sind. Borgholm ist die "Hauptstadt" der Insel Öland. Wir wandern von hier durch ein Naturreservat zum Schloßpark von Solliden. Dieser ist wirklich außergewöhnlich schön angelegt, aber vergleichsweise klein, wie auch das "Schloß" was eher einem Herrenhaus gleicht. Es wurde von der Ururgroßmutter des heutigen Königs im italienischen Stil errichtet. Aufgrund ungünstiger Winde ändern wir unser nächstes Ziel Visby auf Gotland und steuern Klintehamn an. Klintehamn ist ein großer Holzhafen mit angegliederter Industrie.  Am späten Abend kommt Sturm auf mit starkem Regen. Es prasselt nur so auf KIWI nieder als wenn das jüngste Gericht eingeläutet wird. Der Sturm erreicht die Stärke 8-9! Wir genehmigen uns einen Hafentag und erkunden das nahe Naturreservat.

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Visby, das nur 20 Meilen entfernt ist. Der Wind bläst jetzt nur noch mit einer Stärke von 5-6 aus SW und wir wollen nach Norden. Gert verzichtet darauf, daß Großsegel hoch zu ziehen. Nur mit Genua "reiten" wir aus dem Hafen. Das ändert sich jedoch bald. Der Wind läßt weiter nach. Es ist wunderschönes sonniges Wetter, wir beide "sitzen hinten" und lassen es uns gut gehen. Um 16°° Uhr machen wir im Hafen von Visby fest. Wir sind erstaunt wie verhältnismäßig leer er ist. Bei unserem letzten Besuch vor 5 Jahren war er rappelvoll. Ein Kreuzfahrtschiff liegt auch nicht vor dem Hafen, was sehr angenehm ist. Man stelle sich nur mal vor, so ein Schiff spuckt mal eben 2.000 Menschen aus, die dann die engen Gassen von Visby bevölkern, denn Sightseeingbusse können hier nicht fahren. Visby ist der bisher teuerste Hafen, den wir anlaufen. Vor allem die Pauschale für Strom in Höhe von umgerechnet 6,25€ ist geradezu unverschämt. Aber "never mind" – die Segler buchen trotzdem, wir auch, obwohl wir bei dem Wind durchaus Selbstversorger sein könnten. Hier treffen wir auf das erste Schiff unseres Vereins TYvD, die "Dry Water" und machen Bekanntschaft mit Waltraut und Peter . Wir machen uns auf in die zauberhafte Altstadt und gehen wieder zur Domkirche, die sich direkt an einen Hang schmiegt. Oberhalb verläuft ein schmaler Pfad mit Bänken, von dem man einen zauberhaften Blick über die Stadt und das Meer hat. Wir können uns gar nicht satt sehen. Wir freuen uns, daß wir so ein schönes und warmes Wetter haben. Bei idealen Bedingungen verlassen wir Visby in Richtung Norden. Wir setzen den Flasher und machen gute Fahrt.Der Hafen von Lickershamn wird von der Kommune Visby verwaltet und entsprechend sind auch die Preise, nur das Umfeld stimmt hier ja nicht."Dry Water" ist schon da und erzählt uns von dem schönen und höchsten Raukar "Jungfrau", den wir unbedingt besuchen müssen. Wir wandern den kurzen Weg die Klippen hoch und werden nicht enttäuscht.

Unser nächster Hafen ist Lauterhorn auf der zu Gotland gehörenden Insel Fårö.Wir packen unsere Fahrräder aus und dann geht es wiederum bei herrlichstem Sonnenschein die Küste entlang – immer gegen den starken Wind – und auch immer bergauf  Die Raukar-Bildungen die ganze Küste entlang sind wirklich einmalig. Sie entstanden nach der letzten Eiszeit durch Erosion und Auswaschungen des unterschiedlich harten Kalk- und Mergelgesteins im Küstenbereich.  Die Formationen lassen der Phantasie freien Lauf. Wir kommen an einer Wiese vorbei, wo sich die Schweden zur Mitsommernachtsfeier versammelt haben. Viele – auch Männer – haben Blumenkränze im Haar. Der hübsch ge-schmückte Baum wird aufgestellt und dann tanzen sie alle, alle singenderweise um den Baum herum.Viele haben sich Picknickkörbe und Decken mitgebracht und lagern auf der Wiese. Kaffee, Kuchen und diverse Getränke werden angeboten. Der Frieden und die liebevolle Art ist überall spürbar. 

Wir suchen schon den ganzen Tag nach einem Briefkasten und einem Bankomat. Beides scheint es nicht zu geben. Wie regeln die das hier wohl? Überall finden wir die Briefkästen an der Straße, ob der Postbote hier auch die abgehende Post mitnimmt – ähnlich wie in Amerika?

 Wir wollen weiter, Richtung Estland. Bei 6 Bft. aus Nordost laufen wir aus. Mehr als eine Sturmfock rollen wir zunächst nicht aus. Erst im Fårö-Sund wird es ruhiger. Später läßt der Wind nach. Leider ist unser Kurs dann so ungünstig, daß die Segel nicht richtig stehen – immer wieder fallen sie ein. Dazu kommt noch eine ungemütliche Welle vom Sturm der vorangegangenen Nacht. KIWI rollt und tanzt auf den Wellen, daß einem ganz schlecht werden kann. Nach 40 Meilen ist dann Schluß mit segeln. Der Wind ist ganz eingeschlafen aber die unangenehme Welle ist immer noch da. Wir sind froh, als wir nach 113 Meilen und 27 Stunden endlich im Hafen von Möntu festmachen können. Der Hafen von Möntu besteht nur aus einer langen Mole und ist nach Osten total ungeschützt, was wir mit dem heraufziehenden Sturm äußerst unangenehm zu spüren bekommen. In dieser Nacht schlafen wir fast gar nicht. Plötzlich, gerade so als wenn jemand einen Hebel umgelegt hätte, ist es still. Wir beeilen uns, schnell von hier weg zu kommen. Der Wind kommt jetzt aus Süd, das ist uns für das anvisierte Ziel, die "Hauptstadt" der Insel Saaremaa, Kuressaare, sehr willkommen. Zunächst glauben wir, daß es reicht, wenn wir nur die Genua ausrollen. Leider ist dem nicht so, das Großsegel ist erforderlich. Der Wind nimmt wieder zu und wir machen gute Fahrt. Nach 4 Stunden sind wir an der Ansteuerungstonne und das Groß muß runter. Bei 6 Windstärken immer wieder eine Herausforderung. Das ganze Gebiet ist hier äußerst flach, so daß es sehr angeraten ist, im betonnten Fahrwasser zu bleiben. Der Hafenmeister hat uns schon lange auf seinem Monitor verfolgt und steht an der Mole bereit, um unsere Leinen anzunehmen. Wir liegen neben "Nibeka". Fritz und Ingeborg sind auch Mitglieder im TyvD und wollen natürlich auch nach Tallinn. Wir machen uns bekannt und verbringen einen netten Abend zusammen.

Nach den letzten zwei unruhigen Nächten ohne richtigen Schlaf, holen wir den heute erst einmal nach. Mittags machen wir uns auf, das Städtchen zu erkunden. Da ist zunächst einmal die alte Bischofsburg. Bischof Albert ließ im Zuge der Christianisierung in Kuressaare im 14. Jahrhundert eine Festung errichten, die eine der wenigen bis heute erhaltenen Burganlagen im Baltikum ist.Wir wandern weiter in Richtung Rathaus, das mit seinen strengen, einfachen Linien des nordischen Barocks auf Initiative eines schwedischen Großgrundbesitzers gebaut wurde. Die Fassade des gegenüberliegenden alten Eichamtes spiegelt die Handelsverbindungen nach Westeuropa wider. Es herrscht ein geschäftiges Treiben.Wir bummeln über den Markt und finden viele Artikel aus Wacholderholz und aus Saaremaas Marmor, dem Dolomit. Dolomitstein, ist ein Karbonat-Gestein, das zu mindestens 90 Prozent aus dem Mineral Dolomit besteht.

Gert möchte unbedingt die Insel Ruhnu sehen. Also segeln wir wieder 50 Meilen zurück, fast bis auf lettisches Hoheitsgebiet.

In Ruhnu scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nur ca. 50 Menschen leben ständig auf Ruhnu.Das Eiland ist nur 7 km lang und 4 km breit. Im Sommer sind es wegen des auch hier allmählich anlaufenden Tourismus etwas mehr. Wir machen die Fahrräder klar zu einer ausgedehnten Erkundungstour über die Insel. Es gibt nur eine Straße auf der Insel, die führt von Nord nach Süd, und einige Waldwege, die von den Autos aber auch benutzt werden und entsprechend ausgefahren sind. Hier finden wir die 1644 von den Schweden erbaute älteste erhaltene Holzkirche Estlands. Leider wird das Vergnügen, die Insel zu erkunden durch Myriaden von Mücken geschmälert, die sofort über uns herfallen, sobald wir irgendwo zum Stehen kommen. Das trifft uns völlig unvorbereitet, weil wir unser Mückenspray vergessen haben.

Als nächstes steht die kleine estnische Insel Kihnu auf unserem Programm. Kihnu ist in etwa gleich groß wie Ruhnu aber es leben hier zehnmal so viele Leute. Dieser Hafen mit seiner kleinen Marina wurde mit EU-Geldern ausgebaut. Das Hafengeld beträgt hier 20€ wie bei uns auch. In diesem Preis ist alles enthalten incl. Internetanschluß. Überhaupt ist das Preisniveau unserem angepaßt, nur können wir uns nicht vorstellen, daß die Esten ebenso viel verdienen wie wir.Wir packen wieder unsere Fahrräder aus und radeln über die Insel. Sie ist ähnlich idyllisch wie Ruhnu. Diesmal haben wir vorgesorgt und uns mit Mückenspray eingerieben, aber heute sind keine da – auch gut, wir jucken uns noch ganz heftig von den gestrigen Stichen.

Haapsalu - wegen ihrer vielen Wasserläufe wird die Stadt in Estland auch „Venedig an der Ostsee“ genannt. Die Stadt wurde zwischen 1260 und 1270 gegründet.Der deutschbaltische Arzt Carl Abraham Hunnius entdeckte damals die heilende Wirkung des Schlamms von Haapsalu, gründete 1825 ein erstes Sanatorium und etablierte die Stadt schnell als mondänen Kurort.  Es wurden Seebäderhäuser und Schlammheilstätten gebaut. Schon die russische Zarenfamilie der Romanows schätzte diesen Kurort.  Peter Tschaikowski soll seine 6. Sinfonie in seinem Sommerhaus in Haapsalu geschrieben haben. Außerdem hat Haapsalu den Bahnhof mit dem (zur Zeit seiner Entstehung) mit 214 m längsten überdachten Bahnsteig Europas. Er dient jetzt als Freilicht-Museum neben  vielen verschiedenen Lokomotiven und Eisenbahnwagen.

Die kleine und hübsche Insel Naissaar liegt nur 12 Meilen vor der Küste Tallinns. Der Bau eines Yachthafens scheiterte bisher an den Umweltschützern. Auf der Insel gab es früher ein Fischerdorf. Die Sowjets vertrieben die Bewohner 1940 um eine Militärbasis zu errichten. Bis zur Unabhängigkeit Estlands war die Insel Sperrgebiet, hier wurden Seeminen gelagert. Ein Spaziergang über die kleine Insel führt zu den verlassenen Fischerhäusern inmitten verwilderter Gärten und vorbei an den nun ebenso verlassenen und zerfallenden russischen Militärbauten. Die Natur erobert sich jetzt alles zurück. 

In Tallinn angekommen, sind die Hälfte der teilnehmenden Schiffe schon da. Es gibt ein großes Hallo. Abends sitzen wir alle zusammen in dem aufgestellten Zelt und essen, trinken, klönen, lauschen der Tanzkapelle, die extra zu diesem Anlaß engagiert worden ist. Die Tallinner Altstadt ist 1997 der Liste des "UNESCO-Weltkulturerbe" hinzugefügt als „außergewöhnlich vollständiges und gut erhaltenes Beispiel einer mittelalterlichen nordeuropäischen Handelsstadt“. In der Tat die Altstadt ist wirklich sehenswert. Zwei Busse stehen bereit, mit denen wir die Umgebung erkunden Wir fahren nach Rakvere castle, auch Burg Wesenberg genannt und zur Buffalo-Farm.

Am nächsten Tag geht unser Ausflug in den 80 km entfernten Nationalpark Lahemaa. Wir fahren weiter zu den gut erhaltenen bzw. restaurierten ehemals deutschbaltischen Gutsanlagen von Palmse, Sagadi und Vihula.

 Für 12°° Uhr sind unsere Skipper zu einem "Council-Meeting" im Rathaus eingeladen. Leider nur die Skipper. Das Rathaus von innen zu sehen, wäre sicherlich für alle von Interesse. Aber das hätte den Rahmen gesprengt, denn nicht nur unsere Schiffsführer sind eingeladen, sondern auch "verdiente Kapitäne o.ä." der Stadt sind anwesend. Es wird eine Rede gehalten, die für die Gäste auch ins englische übersetzt wird, aber aufgrund des Nuschelns des Übersetzers trotzdem nicht zu verstehen ist, was aber als nicht so schlimm angesehen wird, kann man doch währenddessen in Ruhe die Rathaushalle betrachten. 

Am letzten Abend der Veranstaltung kommen wir zum Höhepunkt, dem großen Galadinner, das im Schwarzhäuptergildehaus stattfindet. Diese Bruderschaft gab es nur in Alt-Livland (Estland und Lettland). Die Fassade des Hauses ist im Stile der Niederländischen Renaissance des 16.Jh. gehalten. Hinterher wird gehörig getanzt, sogar Gert ist emsig dabei. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung.

Heute nun ist die Abschlußveranstaltung mit dem Einholen der ICCY-Flagge. Das schöne Wetter ist auch vorbei. Es ist regnerisch und kalt. Einige legen sofort nach Beendigung der Zeremonie ab. Sie wollen rüber nach Hankö/Finnland und es ist schlechtes Wetter mit  Sturm angesagt. Der stellt sich am Abend auch ein.

Nachdem der große Regen und Sturm abgeflaut sind, wollen wir heute nun auch weiter. Unser erster Hafen ist Tapurla. Im Hafenhandbuch wurde er als netter kleiner Fischerhafen beschrieben. Er besteht nur aus einer Mole, die in einem so bedauernswerten Zustand ist, daß es uns die Sprache verschlägt. Wir haben den Eindruck, daß hier seit dem Ende der russischen Besatzungsmacht nichts mehr getan wurde.Man wagt kaum, irgendwo drauf zu treten, aus Angst mit den zusammenbrechenden Molenteilen ins Wasser gerissen zu werden. Als wir zurückkommen, legt gerade ein kleines Motorboot an. Ein Mann begrüßt uns mit "moin". Wir schauen erstaunt und kommen ins Gespräch. Es entspinnt sich ein erfrischender Dialog mit ihm, seiner Frau und seinen beiden wohlerzogenen Töchtern. Am Ende gibt er uns seine Karte und wir erkennen, daß Roman Lukas Fregattenkapitän und Verteidigungsattaché und Mitglied der Botschaft der Republik Estland in Berlin ist. Wir sinnieren noch lange über die Unterhaltung nach. Ausgerechnet an diesem unattraktivsten Ort unserer Reise findet eine derartige Begegnung statt. 

Bevor wir nach Finnland rüber segeln, laufen wir noch Vergi im Lahemaa-Nationalpark an. Hierher kommen die Finnen mal eben schnell mit ihren Motorbooten um Spirituosen zu bunkern.

Unser erster finnischer Hafen ist Porvoo. Die nach Turku zweitälteste Stadt Finnlands ist trotz Industrieansiedlungen im Umkreis eine idyllische Kleinstadt geblieben. 

In Tallin haben wir von den Kommodores der teilnehmenden Segelvereine aus Finnland und Schweden Einladungen erhalten, auf unserem Weg nach Hause in ihren Schärenhäfen und in den Segelvereinen vorbei zu schauen. Wir nehmen das gern an und lernen dabei sehr viel über Land und Leute.

In Helsinki steuern wir den Helsingfors Segelverein an und werden vom Kommodore Kalevi Westerlund freudig begrüßt. Er freut sich diebisch, daß die ICCY-Flagge hier im Hafen weht, denn außer uns liegt auch noch Andreas und Gerlinde mit ihrer Candida im Hafen. Die Männer verabreden sich für morgen in die Sauna.

Wir kaufen uns für 3 Tage eine Helsinki-Card und streunen kreuz und quer durch die pulsierende Stadt. Hier treffen wir auch Rainer und Marja aus unserem Heimatsegelverein. Wir verbringen einen fröhlichen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen auf der "Koller" und ziehen mit vielen nützlichen Tipps bezüglich der Sehenswürdigkeiten in Helsinki und Umgebung wieder von dannen.

Als erstes führt uns unser Weg zum "weißen Dom", der hoch über dem Hafen thront. Vom Bahnhof aus bummeln wir zum Hafen. Hier ist ein geschäftiges Treiben. Es sind bunte Marktstände aufgebaut mit Gemüse, Obst, einer Freßmeile, verschiedene Souvenirstände, die sich durch besonders hohe Preise auszeichnen. Das Sibelius-Denkmal ist schön gelegen in einem Park. Die Felsenkirche mit ihrer hervorragenden Akkustik ist sehr sehenswert. Wir besuchen die Festung Suomenlinna (oder auch Sveaborg“) sie wurde auf einigen Inseln gebaut.Wir haben unseren letzten Tag mit der Helsinki Card abzuarbeiten. Als erstes fahren wir zum Olympic Tower. Es ist wunderschönes Wetter und wir haben einen einzigartigen Rundblick über die Stadt. Helsinki hat so viel zu bieten, das alles aufzuzählen diesen Rahmen sprengen würde.

 Auf Ormholmen treffen wir verabredungsgemäß Kalev. Wir werden neben sein Boot "Nitouche" plaziert. Als Kalev aus der Sauna kommt, gibt es ein herzliches Halloo. Kalev stellt uns den anderen vor und so werden wir freundlich in ihrer Mitte aufgenommen. Englisch können sie alle sprechen und manche sogar deutsch. 

Ormholmen ist ein kleines Eiland, daß der Klub vor 30 Jahren gekauft hat. Dann wurde zuerst – na was wohl?? - nicht etwas eine Toilette, nein, eine Sauna darauf gebaut.

Unser nächster Hafen ist Hankö. Hankö ist ein Seebad mit vielen schönen alten Jugendstilvillen aus Holz. Es hat – für Finnland ungewöhnlich – einen 30 km langen Sandstrand. Die auf einem kleinen Berg neben dem Wasserturm gelegene Kirche ist leider geschlossen. 

Als wir wieder zurück am Schiff sind, stellen wir fest, daß die Internetverbindung nicht bis zum Schiff reicht und so nehmen wir unsere Laptops und setzen uns beim Café auf die Bank. Daß uns die Mücken fast auffressen, nehmen wir gar nicht so richtig wahr. Wir finden eine email von unseren Freunden Marlene und Bert von der "Heimkehr" mit der Mitteilung, daß sie in Hankö liegen würden!! Sofort steht fest, daß wir noch einen Tag länger bleiben werden. 

An Bord der "Heimkehr" trinken verbringen wir einen gemütlichen Nachmittag.

Da wir beide als nächstes Ziel die Ålandinseln ausgewählt haben, beschließen wir, ein Stück des Weges gemeinsam weiter zu segeln. In der Bucht von Helsingholmen wollen wir am nächsten Tag ankern.

AIS ist ein super Erfindung und ein tolles Spielzeug für Gert. So können wir sehen, wo "Heimkehr" sich gerade befindet. 

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke nach Helsingholmen kreisen plötzlich Hubschrauber in der Luft. Dann in einem Bruchteil von Minuten ein Getöse, ein lauter Knall und schon schießt eines dieser schnellen Motorboote wie ein Geschoß an uns vorüber, gefolgt von den anderen Booten, die rechts und links an uns vorbei jagen. Ehe wir so recht begriffen haben, daß wir uns mitten in einem Regattafeld befinden, ist der Spuk auch schon wieder vorbei. 

Da für die nächsten Tage Regen und Sturm angesagt ist, schauen wir uns nach einem sicheren Hafen um und beschließen, nach Korpoström zu segeln. 

 Hier trennen sich unsere Wege. "Heimkehr" will nach Süden zur Insel Kökar und wir wollen uns Turku ansehen. 

Turku hat viel zu bieten, den Dom, die Burg, das Viertel "Port Arthur", die Markthallen und ein Denkmal des finnischen Läufers Paavo Nurmi. Zwischen 1920 und 1928 gewann er bei Olympischen Spielen neun Goldmedaillen. Paavo Nurmi lief bis 1931 insgesamt 24 Weltrekorde von 1500 Metern bis zum Stundenlauf. Das Marine-Forum müssen wir auch unbedingt sehen. Für dieses maritime Museum kann man mehrere Tage einplanen.

Nun segeln wir wieder zu den Åland-Inseln. Die Insel Seglinge wurde uns besonders ans Herz gelegt. Der Hafenmeister taucht mehrfach auf und avisiert uns, daß er Fische räuchert und am späteren Abend vorbei bringen wird. Wir kaufen einen großen Fisch. Wir können nicht erkennen, um welche Art es sich handelt, aber die anderen Segler sagen, daß er ganz toll schmecken soll(und das tut er dann auch). Wir kommen mit einem Finnen ins Gespräch. Er teilt mit, daß er um 21°° Uhr zur "Flaggenparade" auf seiner Trompete blasen wird. Er spielt ein bekanntes Trompetensolo. Alle Schiffe holen dann ihre Flaggen ein. Es ist ein sehr emotionaler Augenblick. 

Die Insel Sottunga darf auch nicht ausgelassen werden. Eine Besonderheit weist die Holzkirche auf, steht doch der Glockenturm nicht neben der Kirche sondern auf der anderen Straßenseite (was ja sehr praktisch sein kann, für den Fall, daß es mal brennt, dann brennt nicht gleich alles ab).

Wir wollen in den Osthafen von Mariehamn, den Westhafen kennen wir schon von unserem ersten Besuch vor 5 Jahren. Das bedeutet, wir durchfahren den großen Binnensee Lumparen. Es wird immer wärmer und wir legen immer mehr Kleidung ab. Der Osthafen ist abgeschiedener und ruhiger. Im Westhafen kommen die großen Fähren an. Jeweils 4 Stück sind zur gleichen Zeit in Bewegung. Zwei legen ab und zwei sind gerade angekommen und warten schon, daß die Pier frei wird. Länger als 15 Minuten liegt kaum eine Fähre an der Pier. Und das geht alles völlig geräuschlos ab. So etwas gibt es auch nur in Mariehamn. Die großen Fähren legen teilweise mehr als einmal täglich in Mariehamn an. Die Stadt ist - gemessen an der Tonnage der Handelsflotte - die zweitgrößte finnische Hafenstadt nach Helsinki. Die Attraktivität des Hafens beruht auf der Abgabenfreiheit verschiedener Produkte, da Åland zollrechtlich gesehen außerhalb der gemeinsamen EU-Zollzone liegt, und daher bestimmte Güter "duty-free" auf den Inseln verkauft werden können. Am Westhafen treffen wir Waltraut und Wolfgang von der "Mentor", die gerade vom Museumsschiff "Pommern" kommen, die sie besichtigt haben. Das neu gestaltete Marine-Museum wollen wir unbedingt auch noch besichtigen. Bert und Marlene von der "Heimkehr" liegen auch schon hier. Unser nächstes Ziel liegt nur 10 Meilen entfernt, quasi im Vorgarten von Mariehamn, die Insel Rödhamn. Es ist sehr hübsch hier, besonders mit dem Funkmuseum oben auf dem Berg. Wir genehmigen uns für den nächsten Morgen eine Lieferung von der Hafenmeisterin selbstgebackener Brötchen an Bord. Das kleine Bistro, daß sie und ihr Mann betreiben, ist museumsreif.  Unsere nächste Ankerbucht Själlbottna liegt bereits in Schweden und wir haben wieder eine Stunde gewonnen.

Am anderen Tag machen wir auf Einladung des "Kungliga Motorbåt Klubben" auf Högböte fest. Aufgrund des überaus schlechten Wetters können wir diese schöne Insel gar nicht so recht genießen.

In Stockholm angekommen, hat sich das Wetter auch wieder beruhigt und es scheint die Sonne. Diesmal wollen wir nicht im Vasa-Hafen liegen. Wir wählen den davor liegenden, privaten Navigations hamn. Wir machen uns auf in die Stadt und marschieren die Hafenmeile runter bis zum Nationaltheater auf der Suche nach einer "Cashmachine", denn wir brauchen unbedingt schwedische Kronen. Die "Euroherrlichkeit" hat hier ein Ende. Wir fahren natürlich in die Gamla Stan, die Altstadt, mit dem Königsschloß. Schon dort stellen wir fest, wie voll es ist. Überall kleine Gruppen in deren Mitte jemand eine Kelle mit einer Zahl und Namen des Veranstalters darauf hochhält. Aha, es sind Kreuzfahrer in der Stadt, und nicht nur einer. Dadurch daß Schweden sich aus den letzten beiden Kriegen herausgehalten hat, sind hier natürlich die ganzen alten Wohnblocks und Bürohäuser mit ihren einmaligen Fassaden und Hauseingängen erhalten geblieben, was eine wahre Augenweide ist. Auch die wunderschönen Kirchen haben es uns angetan, besonders die "Tyska kirkan", die deutsche Kirche, ist sehenswert in Architektur und Innenausstattung.  In Stockholm könnte man noch lange bleiben.

Unser nächster Ankerplatz ist Napoleonsviken, eine zauberhaft kleine Schäre, ganz genau so wie auch unser Ankerplatz Varsnäsfjärd auf der Insel Ornö. Hier waren wir vor 5 Jahren schon einmal. Der angekündigte Regen ist da. Und der Wind soll auch immer noch mit gleicher Stärke aus der gleichen Richtung wehen. Wir sitzen das aus, an Beschäftigung mangelt es uns nicht. Wir können uns nicht erinnern, zuvor schon einmal mehr als 24 Stunden Dauerregen gehabt zu haben.

 Auf unserem Weg nach Hause darf Trosa nicht ausgelassen werden. 

 Dieser hübsche kleine Ort strahlt Gemütlichkeit aus und ist wie geschaffen als Sommerfrische. Auf unserem Weg zur weiter entfernten Landkirche kommen wir an zwei Runensteinen vorbei, die von den Wikingern mit Inschriften und Fabeltieren versehen worden sind. Ein dritter Runenstein steht schräg gegenüber am Ackerrain. 

Der Fjord, an dessen Ende das Städtchen "Valdemarksvik" liegt, ist 10 Meilen lang, was ca. 2 Stunden Motorfahrt bedeutet. 

Als wir endlich im Gästehafen festmachen.können, wird es schon dunkel. Hier am Ende des Fjordes sieht es ganz anders aus als an der Küste. Es gibt zwar auch Felsen aber die sind mehr als haushoch und bewaldet – man könnte fast meinen, man wäre z.B. In der Pfalz. Wir klettern ein wenig, denn es gibt nur wenige Wege um die Felsen herum, und haben eine phantastische Aussicht auf den Ort und den Fjord.  Die Tage werden jetzt immer kürzer. Der Ort hat nur ca. 1000 Einwohner und gehört verwaltungsmäßig zu Söderköping.

Die nächsten Tage ankern wir in zauberhaften Buchten.

Es ist strahlendes Sonnenwetter. Der Weg durch die Schären ist  abenteuerlich. Die Felsen ragen teilweise nur ganz wenig aus dem Wasser heraus, sie sind zum Greifen nah. Zur Zeit ist es gerade mal wieder so, daß wir die grünen Tonnen an der Backbordseite passieren müssen und rot entsprechend auf der anderen Seite. Normalerweise ist es umgekehrt. Wehe wenn man sich vertut und die Tonnen an der falschen Seite passiert. 

Wir haben uns Oskarshamn als Hafen ausgesucht und zwar nicht den Stadthafen sondern den Hafen der Seglervereinigung Ernemår. Wenn wir in die hübsche Altstadt wollen, müssen wir unsere Fahrräder aktivieren. Gesagt – getan und schon sind wieder wieder unterwegs. Wir schauen uns die hübschen Holzhäuser an und fahren zum Hafen. Im Yachthafen liegt kein einziges Schiff. Die Saison ist zuende.

Auf geht's weiter Richtung Süden. Solange es noch Schären gibt, wollen wir sie auch sehen. So schleichen wir uns bei 5-6  Windstärken slalommäßig durch die bezeichneten Wege. Mal nehmen wir die Genua zu Hilfe mal geht das nicht. Es ist teilweise sehr mühselig aber es lohnt sich. 

Am späten Nachmittag finden wir vor der Insel Oknö einen Platz zum ankern. In der Ferne blinken die Lichter der Stadt Mönterås.

Heute haben wir den Wind aus Nordwest. Das nutzen wir, um ein ordentliches Stück in Richtung Süden voranzukommen.Wir haben wieder gut Wind und erreichen spätabends Ekenäs.

Wir haben uns für heute eine lange Strecke vorgenommen. Wir haben Wind aus West und versuchen zu segeln. Das ist jedoch nur bedingt möglich. 

Nachmittags entscheiden wir uns für Utklippan. Wir wissen, daß es notwendig ist, für den morgigen Tag einen sicheren Hafen anzulaufen. Wir wissen auch, daß der Hafen jetzt nicht mehr bewirtschaftet wird. Trotzdem sind wir der Meinung, daß wir hier sicher auf-gehoben sind. Um 18.15 Uhr machen wir fest. Wir sind ganz allein im Hafen. Der Schwell, der in den Hafen rein steht, überrascht uns doch. Es werden sehr unruhige 3 Tage. Dann läßt der Sturm nach und wir wollen weiter. Nur wohin? Draußen steht noch eine immense Welle und 6 Windstärken wehen auch immer noch. Am günstigsten wäre Bornholm oder über die Hanöbucht in Richtung Nordwest zur Insel Hanö oder Karlshamn. 

 Der Sturm verläßt uns jetzt nicht mehr. Auch in Simrishamn, Ystad und Gislovsläge müssen wir einen Hafentag einlegen und auf weniger Wind warten. Von Klintholm laufen wir bei 6-8 Windstärken aus, weil für die nächsten Tage Wind aus Südost angesagt ist, den wollen wir für die letzte Etappe von Gedser nach Hause unbedingt nutzen. Das wird noch einmal ein wilder Ritt und dann sind wir endlich wieder heil zu Hause.